ArchivDeutsches Ärzteblatt PP11/2003Disease Management: Ohne EDV keine Chance

POLITIK

Disease Management: Ohne EDV keine Chance

PP 2, Ausgabe November 2003, Seite 496

Krüger-Brand, Heike E.

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LNSLNS Der manuelle Bearbeitungsaufwand und die Fehlerraten bei der Dokumentation sind zu hoch.

Wenn wir für die Disease-Management-Programme (DMP) keine digitale Zukunft schaffen, haben DMP keine allzu lange Zukunft mehr“, warnte Bernhard Brautmeier, Geschäftsführer der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNo), bei einer Veranstaltung des Zentrums für Telematik im Gesundheitswesen, Krefeld.
Im Gebiet der KVNo sind die DMP zu Brustkrebs und Diabetes mellitus am weitesten fortgeschritten. Der auf Grundlage der 4. Verordnung zur Änderung der Risikostruktur-Ausgleichsverordnung (RSAV) abgeschlossene Vertrag zum DMP Brustkrebs wurde bereits im Oktober 2002 unterzeichnet und durch das Bundesversicherungsamt (BVA) akkreditiert. Die kassenübergreifende Vertragsgestaltung in Nordrhein sieht einen gemeinsamen Dokumentationsbogen für alle Kassen vor. Die Dokumentation läuft seit März 2003. 905 von rund 1 200 Gynäkologen und 61 Krankenhäuser nehmen an dem Programm teil. 410 Gynäkologen (45,3 Prozent) haben bislang rund 4 000 Dokumentationsbögen bei der KVNo, die übergangsweise als Datenstelle fungiert, eingereicht. Die Fehlerrate betrug dabei 15 Prozent. Die Bögen sind nicht bedruckbar und nicht scannbar. In Nordrhein ist der niedergelassene Gynäkologe verantwortlicher DMP-Arzt. EDV-Programme für die elektronische Verarbeitung in der Arztpraxis sind jedoch bislang kaum vorhanden.
Der Vertrag für das DMP Diabetes mellitus wurde im Mai 2003 unterzeichnet. Die Akkreditierung durch das BVA steht noch aus. Mit der Dokumentation wurde zum 1. Juli 2003 begonnen. Ärzte erhalten als Vergütung für das DMP Diabetes 25 Euro für die Erstdokumentation und 15 Euro für die Folgedokumentation. Bislang beteiligen sich circa 2 000 Ärzte, wobei die Zahl wächst. Für dieses DMP gibt es seit dem 1. Oktober 2003 eine Online-Übermittlungsmöglichkeit über die D2D-Schnittstelle. Allerdings sind bislang nur wenig Ärzte mit Software ausgestattet, die dies unterstützt. Das Softwarehaus Duria, Düren, beispielsweise hat eine von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung bereits zertifizierte Lösung einschließlich integrierter Plausibilitätsprüfung entwickelt und in sein Praxisprogramm integriert. Damit lassen sich Fehler schon vor dem Versand an die Datenannahmestelle vermeiden. Weitere Softwarehäuser werden in Kürze folgen. Auch für dieses DMP hat die KVNo übergangsweise die Funktion der Datenstelle übernommen. Eingesandt wurden bislang rund 110 000 Bögen. Die Kosten der Datenstelle liegen bei 1,27 Euro je Bogen. Anfangs lag die Fehlerquote nach Angaben von Brautmeier bei 90 Prozent; inzwischen konnte die Fehlerrate auf 70 bis 80 Prozent gesenkt werden.
Für beide DMP sollen Anfang 2004 überarbeitete Dokumentationsbögen vorliegen, in die die bisherigen Erfahrungen einfließen. Als größter Hemmschuh erweist sich nach Brautmeier, dass das BVA die elektronische Übermittlung der Datensätze nicht erlaubt. K.-o.-Kriterium sei die Unterschrift des Patienten, die der Datenstelle vorliegen müsse. Bei der Masse der Daten sei die manuelle Erfassung jedoch viel zu aufwendig und mit zu hohen Fehlerraten behaftet. Tausende der Bögen müssten zurzeit an die Ärzte zur Korrektur zurückgereicht werden. Die gesetzliche Regelung zur RSAV habe eine Verbürokratisierung mit sich gebracht, die ihresgleichen suche, kritisierte Brautmeier. KBr
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