ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2003Klon-Konvention: Bündnispartner Zeit

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Klon-Konvention: Bündnispartner Zeit

Dtsch Arztebl 2003; 100(46): A-2973 / B-2469 / C-2313

Richter-Kuhlmann, Eva

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LNSLNS Gewinner und Verlierer gab es offiziell keine. Ohne Ergebnis gingen die Vertreter der UN-Mitgliedsstaaten in der vergangenen Woche in New York auseinander. Da sie sich auf keine gemeinsame Konvention gegen das Klonen einigen konnten, verschoben sie die Verhandlungen auf Antrag der islamischen Staaten um weitere zwei Jahre. Nach wie vor wird es dann um die Frage gehen, ob nur das reproduktive Klonen oder auch das therapeutische Klonen weltweit geächtet werden soll.
Weder der Antrag von Costa Rica, hinter dem die USA und rund 60 weitere Staaten stehen und der ein komplettes Klonverbot vorsieht, noch der Antrag von Belgien wurde angenommen. Die belgische Initiative, unterstützt von 25 Ländern wie Großbritannien, China und Singapur, will lediglich das reproduktive Klonen verbieten, beim „Forschungs-Klonen“ aber nationale Regelungen zulassen.
Alles ist demnach weiterhin offen. In Wahrheit ist aber die Vertagung ein Etappensieg für die Befürworter des therapeutischen Klonens. Denn mit der Verschiebung um weitere zwei Jahre haben sie einen wichtigen Verbündeten auf ihrer Seite: die Zeit.
Die Tür zum „Forschungsklonen“ bleibt offen, zumindest bis 2005. Möglicherweise werden bis dahin neue Fakten in der Forschung geschaffen, die es den Klon-Gegnern erschweren könnten, am generellen Verbot festzuhalten. Ethische und moralische Bedenken könnten angesichts bestechender Forschungserfolge als hoffnungslos rückständig gebrandmarkt und aufgegeben werden.
Gespannt darf man auf die Haltung Deutschlands sein. Bereits in diesem Jahr löste die Bundesregierung mit ihrer Taktik bei den UN-Verhandlungen Verwunderung aus. Obwohl sich der Deutsche Bundestag für ein absolutes Klonverbot ausgesprochen hatte, unterstützte die Regierung keineswegs den Vorschlag Costa Ricas. Man wolle eine Spaltung der Vereinten Nationen vermeiden und Konsens erzielen, hieß es dazu aus dem Auswärtigen Amt.
Dass die zeitgleichen Äußerungen von Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) indes reiner Zufall waren, darf bezweifelt werden. Zypries hatte sich dieser Tage für eine Lockerung des Embryonenschutzes ausgesprochen. Eine Gesetzesänderung ist also nicht ausgeschlossen. Dr. med. Eva A. Richter-Kuhlmann
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