ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2003Klinikärzte: Nächste Etappe

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Klinikärzte: Nächste Etappe

Dtsch Arztebl 2003; 100(46): A-2973 / B-2469 / C-2313

Clade, Harald

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LNSLNS Sieben Etappensiege in der Gesundheitsreform hat der Marburger Bund (MB) am Wochenende in Berlin auf das erfolgreiche eigene gewerkschaftliche Druckpotenzial, das Verhandlungsgeschick und das beharrliche Nachsetzen zurückgeführt: das Bereitschaftsdienst-Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom 9. September 2003; die Änderung des Arbeitszeitgesetzes (dieses Gesetz hängt zurzeit im Vermittlungsausschuss); die Abschaffung des Arztes im Praktikum zum 1. Oktober 2004; die erweiterte (institutionelle) Öffnung der Krankenhäuser für hoch spezialisierte stationäre Leistungen, für seltene Erkrankungen und besondere Krankheitsverläufe; die finanzielle Förderung zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den Kliniken (bis zu einer Milliarde Euro zusätzlich); die Einschaltung der Krankenhäuser in die Integrierte Versorgung und in die Disease-Management-Programme.
Während seiner 104. Haupt­ver­samm­lung in Berlin richtete der Verband seine Strategie neu aus: Jetzt geht es in der nächsten Runde um eine flexible, praxisgerechte Umsetzung des EuGH-Urteils, der EU-Richtlinie und des geänderten Arbeitszeitgesetzes. Dies wertet der MB als einen „großen Schritt zur Humanisierung der Arbeitsplätze“, zu höherer Lebensqualität und als ein Gegengewicht zur immens gewachsenen Arbeitsverdichtung in den Kliniken.
Mit dem Schritt zur immateriellen Situationsverbesserung sind freilich auch beträchtliche Einkommenseinbußen verbunden – nach Schätzungen des MB können sie pro Arzt durchaus 300 Euro netto je Monat ausmachen. Dies soll in der nächsten Tarifverhandlungsrunde möglichst weitgehend kompensiert werden. Zudem müsse der Bundesangestellten-Tarifvertrag (BAT) grundlegend revidiert und modernisiert werden. Eine „leistungsgerechte Arztvergütung“ müsse sich in beträchtlich mehr Euro und Cent niederschlagen. Der MB forderte die öffentlichen Arbeitgeber auf, die Grundvergütung im BAT erheblich anzuheben (die Rede war von rund 25 Prozent), Sonntags-, Überstunden und Bereitschaftseinsatzzeiten zu hundert Prozent und entsprechende Sonderzuschläge zu vergüten. Nur durch eine leistungsorientierte Bezahlung, eine Honorierung der Mehrleistung sowie durch eine grundsätzliche Neubewertung der ärztlichen Arbeit könne dem wachsenden Ärztemangel entgegengewirkt werden.
Dr. rer. pol. Harald Clade
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