ArchivDeutsches Ärzteblatt47/1996Koronare Herzkrankheit: Es „hapert“ an der Sekundärprävention

SPEKTRUM: Akut

Koronare Herzkrankheit: Es „hapert“ an der Sekundärprävention

Blaeser-Kiel, Gabriele

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNSLNSLNS Alle zweiundvierzig Sekunden stirbt in Europa ein Mensch an Komplikationen der koronaren Herzkrankheit – das sind zweitausend Todesfälle pro Tag. Die Risikofaktoren sind bekannt, Behandlungsempfehlungen der Fachgesellschaften liegen vor, und die Wirksamkeit von Lebensstilveränderungen beziehungsweise medikamentösen Interventionen ist wissenschaftlich belegt. Trotzdem werden die Maßnahmen zur Sekundärprävention noch immer nicht ausreichend umgesetzt. Sechs Monate nach einem Klinikaufenthalt wegen Bypassoperation, Angioplastie, instabiler Angina pectoris oder Myokardinfarkt hatte sich bei der Hälfte der Patienten an den atherosklerose-begünstigenden Risikofaktoren nichts verändert. Dieses – traurige – Ergebnis der großen Studie EuroASPIRE nannte Professor David Wood (London) bei einem Symposium anläßlich des XVIIIth Congress of the European Society of Cardiology in Birmingham.


Für EuroASPIRE (European Action on Second-ary Prevention through Intervention to Reduce Events) wurden Daten von 5 551 Patienten aus zehn Ländern (Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Niederlande, Slowenien, Spanien, Tschechische Republik, Ungarn) ausgewertet. Dabei wurde deutlich, daß es nicht nur an der Uneinsicht der Patienten lag, ihre Lebensgewohnheiten zu ändern, sondern auch daß Ärzte häufig nicht "das praktizierten, was als gute Medizin gilt", meinte Wood. Zwar rauchte etwa ein Fünftel der Koronarkranken noch immer und war ein Viertel noch immer übergewichtig, doch bei 36 bis 70 Prozent waren auch die Cholesterin-Werte zu hoch und bei 49 bis 61 Prozent der Blutdruck. Die Prävalenz an schwerer Hypertonie (über 105/180 mm Hg) lag immerhin zwischen fünf und zehn Prozent.


Die schlechtesten Ergebnisse kamen nicht, wie man vielleicht vermuten könnte, aus den Ländern mit noch nicht so hochentwickelten Gesundheitssystemen. Beim Hochdruck führte zwar die Tschechische Republik, aber Platz zwei mit 56 Prozent teilten sich Deutschland und Italien. Eine Hypercholesterinämie war in Großbritannien mit Abstand am häufigsten, gefolgt von Italien mit 58 Prozent. Deutschland lag mit 38 Prozent auf dem vorletzten Platz. Von den zur Sekundärprävention empfohlenen Medikamenten hat sich nur Acetylsalicylsäure mit rund 90 Prozent fast flächendeckend durchgesetzt. An zweiter Stelle liegen die Betablocker mit 35 bis 80 Prozent. Als besonders ungenügend bezeichnete Wood den Einsatz von Lipidsenkern und ACE-Hemmern, mit denen jeweils nur 15 bis 43 Prozent der Patienten behandelt werden. Gabriele Blaeser-Kiel

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Der klinische Schnappschuss

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote