ArchivDeutsches Ärzteblatt47/1996Synkopen: Vasovagale Synkopen bei Kosovo-Albanern

SPEKTRUM: Leserbriefe

Synkopen: Vasovagale Synkopen bei Kosovo-Albanern

Dtsch Arztebl 1996; 93(47): A-3072 / B-2609 / C-2417

Zeindl, H.

Beobachtungen aus einer Aufnahmeeinrichtung für Asylbewerber
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LNSLNS An der Aufnahmeeinrichtung für Asylbewerber in Deggendorf wurden bislang an zirka 6 000 Erwachsenen Blutuntersuchungen auf übertragbare Erkrankungen (HIV, Lues-Serologie) vorgenommen. Zirka 50 Prozent der Untersuchten stammen aus dem ehemaligen Jugoslawien, vor allem aus dem Kosovo . . .
Während oder kurz nach der Blutabnahme kam es bislang bei zirka 40 Probanden zu zum Teil schweren vasovagalen Synkopen, die teilweise mehrmals rezidivierten.
Auffallend an den Synkopen waren im wesentlichen drei Punkte: das ausschließliche Auftreten bei Männern, das ausschließliche Auftreten bei Asylbewerbern aus dem Kosovo (Bosnier, Serben, Mazedonier, Kroaten nicht betroffen), die Schwere der Synkopen mit zum Teil schlagartig einsetzender (unter der Blutabnahme), mehrere Minuten andauernder Bewußtlosigkeit.
Daraus ergeben sich für die tägliche Praxis im wesentlichen zwei Konsequenzen:
l Bei männlichen Patienten aus dem Kosovo ist ungleich häufiger mit einer schweren, schlagartig einsetzenden vasovagalen Synkope zu rechnen als in der Normalbevölkerung beziehungsweise anderen ethnischen Gruppen. Um traumatische Schäden durch Sturz zu vermeiden, sollte eine Hilfskraft in Reichweite sein.
l Da bei entsprechender Lagerung nach scheinbarer Erholung erneut zum Teil schwere Synkopen auftraten, sollte auf eine entsprechend lange Erholungszeit geachtet werden und der Patient bei Verlassen der Praxis nur in Begleitung Treppen steigen dürfen. Abschließend stellt sich die Frage, ob es wissenschaftliche Untersuchungen gibt, die eine Häufung vasovagaler Synkopen, abhängig von ethnischer Zugehörigkeit und Geschlecht, belegen. Meiner Kenntnis nach ist dies die erste Beschreibung einer derartigen Häufung von vasovagalen Synkopen bei männlichen Kosovo-Albanern.
Dr. H. Zeindl, Aufnahmeeinrichtung für Asylbewerber, Gesundheitsamt, Haselbeckstraße 18, 94469 Deggendorf
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