ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2003Evidenzbasierte Medizin: Konkurs der ärztlichen Urteilskraft? Studien bringen eine gewisse A-priori-Wahrscheinlichkeit

THEMEN DER ZEIT: Diskussion

Evidenzbasierte Medizin: Konkurs der ärztlichen Urteilskraft? Studien bringen eine gewisse A-priori-Wahrscheinlichkeit

Dtsch Arztebl 2003; 100(46): A-2997 / B-2490 / C-2332

Caspari, Gregor

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LNSLNS . . . Die Autoren reklamieren die Möglichkeit des Erkennens eines Kausalzusammenhangs aus Einzelbeobachtungen und führen hierbei den Gestalttheoretiker Duncker ins Feld. Mich würde interessieren, wie sich die Autoren die Herstellung der Ursache-Wirkungs-Beziehung bei der Einnahme von Aspirin oder eines Antihistaminikums vorstellen. Wenn man nicht nur nachweisen will, dass es dem Patienten besser geht, sondern auch, dass die Besserung durch den spezifischen Eingriff verursacht wurde und nicht durch einen Placebo-Effekt oder einfach im Rahmen des Krankheitsgeschehens eine natürliche Besserung eintrat, ist die persönliche Urteilskraft sowohl des Arztes als auch seines Patienten m. E. überfordert . . .
So führen denn die Autoren als Beispiele für die Erkennung eines Kausalzusammenhangs im Einzelfall zunächst Situationen an, bei denen sich die Ursache-Wirkungs-Beziehung mechanistisch lückenlos verstehen lässt, z. B. die Beseitigung einer Darmstenose. Von diesem lückenlosen mechanistischen Verständnis der Ursache-Wirkungs-Kette sind wir aber gerade bei den besonderen Therapierichtungen meilenweit entfernt.
Aber selbst wenn man nach der Intervention zuverlässig beurteilen könnte, dass die spezifische Intervention im Einzelfall gewirkt hat, bliebe vor der nächsten Therapie die erneute Frage nach der Wirkung beim nächsten Patienten, was in letzter Konsequenz auf ein dauerndes Experimentieren am Patienten hinausläuft. Studien bringen zwar keine sichere Aussage für den Einzelfall, aber durch die Gruppengröße und
-struktur eine gewisse A-priori-Wahrscheinlichkeit für die Wirksamkeit der beabsichtigten Therapie.
Priv.-Doz. Dr. Gregor Caspari,
Institut für Transfusionsmedizin Brandenburg W & T GmbH, Hochstraße 29, 14770 Brandenburg an der Havel
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