ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2003Evidenzbasierte Medizin: Konkurs der ärztlichen Urteilskraft? Atemberaubend

THEMEN DER ZEIT: Diskussion

Evidenzbasierte Medizin: Konkurs der ärztlichen Urteilskraft? Atemberaubend

Dtsch Arztebl 2003; 100(46): A-2999

Weber, F.

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LNSLNS Die Publikation im Ärzteblatt ist (für mich) atemberaubend. Sie stimmt haarscharf mit den Gedanken und täglichen Erfahrungen überein, die mich seit Jahren zunehmend bedrücken. Eigentlich müsste – bei der heute oftmals realisierten Form von EbM – hinter die Überschrift eher ein Ausrufezeichen gesetzt werden. Als Ursache sehe ich, parallel zu dem allgemeinen Werte- auch den Wissensverfall, der es dem passiven Mitschwimmer erleichtert, sich (z. B.) hinter EbM zu verschanzen, dem Kämpfenden jedoch das Leben immer schwerer macht. Ausgenutzt wird das gnadenlos und bringt den Lobbys, wie im Artikel beschrieben, das Geld. Um nicht missverstanden zu werden: Der Gedanke EbM per se ist gut und eine (so weit möglich) objektive Erfolgskontrolle unverzichtbar. Doch ist die Medizin nun mal eine biologische Wissenschaft, und da stößt jeder Versuch der Kategorisierung, Tabellarisierung und eben auch Randomisierung an Grenzen.
Außerdem müssen wir uns darüber im Klaren sein, dass die Motivation für EbM ja vor allem auf materiellem Gebiet liegt. Das ist an sich nichts Verwerfliches, nur eben geht es oft und vordergründig nicht um den ökonomischen Vorteil für die gebeutelte Solidargemeinschaft, zu der übrigens auch der Patient gehört(!), sondern um den für die ungezählten Lobbys. Und da wird’s ganz schnell unethisch. Aus ärztlicher Sicht. Oder welchen ethischen Prinzipien sind eigentlich die Manager in den Krankenhäusern unterworfen, wenn sie einfach Verfahren „unterbinden“, die „sich nicht rechnen“, und somit täglich neue patienten- und versorgungsfeindliche Entscheidungen treffen? Von den anderen Mitgliedern der Administration (Politik, Berufverbänden, Kassen usw.) ganz zu schweigen . . .
Prof. Dr. med. F. Weber,
D.-C.-Erxlebenstraße 2 a, 01968 Senftenberg
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