ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2003Hausärzteverband: Hausarztschwächung

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Hausärzteverband: Hausarztschwächung

Dtsch Arztebl 2003; 100(46): A-3003 / B-2495 / C-2337

Gurr, Michael

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LNSLNS Nicht nur aus der Distanz, sondern auch aus der Nähe betrachtet, ist die Reform statt der geplanten Hausarztstärkung in allen Punkten eine Hausarztschwächung und somit ein einziger Betrug gegenüber uns Hausärzten. Wo sind wir denn „nachweisbar“ ein Stück weitergekommen? Die angebliche Steuerungsfunktion bedeutet für uns wesentlich mehr Arbeit für noch weniger Vergütung, und das sieht so aus: Durch die Praxisgebühr, als versteckte Beitragserhöhung, zahlen wir pro Jahr gerade in der Hausarztpraxis ca. 5 000 Euro aus eigener Tasche drauf, ohne das Inkassowesen zu berücksichtigen, zudem verlieren wir Verdünnerscheine und tragen ein hohes Sicherheitsrisiko. Außerdem werden wir von vielen Patienten als reine Überweiser missbraucht, was bedeutet, wir müssen noch mehr Patienten ohne jeglichen finanziellen Anreiz durchschleusen (EBM-Ziffer 2!). Die Patienten, deren Hobby das Facharzthopping ist, werden sich dann weiter munter von Gebietsarzt zu Gebietsarzt hangeln, denn dieser darf ja auch entsprechend weiter überweisen! Die Arbeitsbelastung in der allgemeinärztlichen Praxis ist schon jetzt unerträglich hoch, die Zeit für unsere Patienten schwindet weiter und lässt sich nur mit immensem persönlichen Einsatz, der oft physische und psychische Grenzen überschreitet, kompensieren. Ein Volk, das seine (Haus-)Ärzte so schlecht behandelt, ist dem Untergang geweiht. Die Ernüchterung kommt spätestens dann, wenn sich auf breiter Front keine Nachfolger für Hausarztpraxen mehr finden lassen!
Dr. med. Michael Gurr,
Ebertsheimer Straße 7, 67304 Eisenberg
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