ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2003Facharztumfrage: Krankenhausbeteiligung nur geduldet

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Facharztumfrage: Krankenhausbeteiligung nur geduldet

Dtsch Arztebl 2003; 100(46): A-3003 / B-2495 / C-2337

Voss, Leo

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LNSLNS Die in der Umfrage erfasste Beurteilung von Reformvorhaben nur durch niedergelassene Fachärzte ist von geringem Wert: Nicht befragt wurden Fachärzte an Krankenhäusern und die große Zahl der sonstigen Kollegen, insbesondere Hausärzte – von Patienten ganz zu schweigen. Es soll eigentlich alles so bleiben, wie es ist, lediglich der Aufbau ambulanter Gesundheitszentren durch niedergelassene Fachärzte wird favorisiert – nichts Neues und vielerorts schon ohne Reform praktiziert, jedenfalls aus Patientensicht mit sog. Ärztehäusern, Praxiskliniken o. ä.
Anscheinend auch nur widerwillig wird eine Krankenhausbeteiligung im Rahmen der Sicherstellung geduldet – was die ambulante Praxis nicht kann oder will, soll in Gottes Namen im Krankenhaus erledigt werden (vermutlich aber ohne dort sinnvolle Nachuntersuchungen!). Das bedarf kaum einer Neuregelung: Wenn die Facharztpraxis über Mittag, mittwochsnachmittags, am Abend und über Nacht und an Feiertagen und Wochenenden geschlossen ist, kommen die Notfälle und alle, die sich dafür halten, ohnehin ins Krankenhaus. Dort aber fehlen (nicht nur) die Fachärzte! Es fehlen genau die Fachärzte, die von unserem unsinnigen Doppel-System in die Niederlassung gedrängt wurden, anstatt ihnen eine Chance am Krankenhaus zu bieten! Ganz zu schweigen von doppelt vorzuhaltenden Geräten, Personalproblemen, überflüssigem Organisationsaufwand, Einengung des fachärztlichen Blickfeldes auf „ambulante“ oder „stationäre“ Krankheiten, Vertretungs- und Konsiliar-Engpässen in Klinik und Praxis. Was ist zu tun? Eine Krankenhaus-Abteilung braucht eine ausreichende Zahl an Patienten, auch aus wirtschaftlichen Gründen, und auch um genügend qualifizierte Ärzte an sich zu binden. Fachärzte im Krankenhaus sind in einem sehr weiten Rahmen an der ambulanten Versorgung zu beteiligen in einer Art, die für Kollegen die Wahl zwischen Klinik und Praxis tatsächlich zu einer Entscheidung nach persönlicher Neigung macht. Niemand soll an der Gründung oder Beteiligung einer Praxis gehindert werden, aber die fachärztliche Medizin am Krankenhaus braucht eine neue Perspektive! Aufgabe der Ärztekammern wäre es, Spielregeln vorzugeben und notwendige Kontrollen auszuüben. Ein Krankenhaus oder eine hier tätige Ärztegemeinschaft als Arbeitgeber müsste sich „akkreditieren“ lassen, um einen Missbrauch kollegialer Arbeitskraft auszuschließen. Ein „Ausufern“ ambulanter Tätigkeit zum erheblichen Schaden bereits vorhandener Facharzt-Praxen könnte durch HVM-artige Regelungen verhindert werden. Wenn wir die zu Recht so gefürchtete Fremdbestimmung überhaupt noch abwenden oder „abfedern“ können, dann nur durch eigene Fantasie und Mut zu wirklichen, aus unserer Mitte kommenden strukturellen Reformen, „Herr Doktor, Sie sollen mir ja helfen, aber eine Spritze mag ich nicht . . .“ – Wir brauchen sogar eine Operation, und wenn sich dafür keine Fachärzte finden, greifen eben die Politiker und Bürokraten zum Messer!
Dr. med. Leo Voss,
Holthues Hoff 16, 48683 Ahaus
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