ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2003Medizingeschichte(n): Religiöse Heilkunde

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Medizingeschichte(n): Religiöse Heilkunde

Dtsch Arztebl 2003; 100(46): A-3021 / B-2507 / C-2349

Schott, H.

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LNSLNS Besessenheit
Zitat: „Gleichwie der Satan alle Menschen an der Seele pflegt anzufechten, also kan er auch alle Menschen ohn Unterschied des Geschlechts oder Stands anfechten am Leib, durch Nachahmung der natürlichen Krankheiten. Daher kommt es, daß so viele Menschen unheylbare Krankheiten haben, obwohl sie alle mögliche natürliche Hülfsmittel von denen Arzneyverständigen gebraucht, weil nemlich sehr oft die Krankheit entweder nicht natürlich, oder weil bey dem Natürlichen etwas Unnatürliches sich vereiniget findet. Dessentwegen will ich aber nicht verstanden werden, als wann es keine natürlichen Krankheiten geben sollte, sondern nur andeuten, daß sehr oft Unnatürliche vom bösen Geist gemacht werden, durch eine pure lauter Versuchung, welche man natürlich zu seyn vermeinet, und zwar auf dreyerley Weise, erstlich Physice [1], oder durch würkliche Schmerzen, auf eine dem Teufel bekannte Weise, applicando activa passivis [2]. Zweytens ima-
ginative [3] durch eingebildeten Schmerzen, da der böse Feind in der Phantasie oder Einbildungskraft, als wie bei einem traumenden Schmerzen vorstellen kann, als wenn sie würklich wären, da sie in der That keine sind. Drittens per naturam [4], oder daß er natürliche Feuchtigkeiten, Flüß, Geblüt und andere Sachen also weißt, Vermög seines beybehaltenen Verstands, von einem Ort zum anderen zu führen, wodurch das Uebel zugleich natürlich, aber auf und von unnatürlicher Kraft ist verursacht worden.“
Johann Joseph Gaßner: Nützlicher Unterricht wider den Teufel zu streiten. Kempten, 1774; S. 20. – Der Jesuitenpater Gaßner (1729–1779) erregte durch öffentlich zelebrierten Massenexorzismus um 1750 in Süddeutschland großes Aufsehen. [1] Somatisch, [2] quasi durch Infektion, [3] durch Imagination, [4] natürlicherweise.

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