ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2003Garantierte Geldanlagen: Eigenmix statt Fertigpackung

VARIA: Wirtschaft

Garantierte Geldanlagen: Eigenmix statt Fertigpackung

Dtsch Arztebl 2003; 100(46): A-3044

Jobst, Peter

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LNSLNS Nach den Turbulenzen der vergangenen drei Börsenjahre
wollen viele Anleger das Risiko minimieren.

Deutscher Aktienindex: minus 80 Prozent. Neuer Markt: minus 95 Prozent. Das ist die traurige Bilanz, die Anleger nach dem Ende des Börsenbooms zeitweise ziehen mussten. Selbst wenn sich die Aktienmärkte inzwischen bereits wieder deutlich erholt haben, steckt die Angst vor Kursverlusten vielen Investoren noch in den Knochen.
Banken und Sparkassen haben sich längst auf diese „neue“ Anlegermentalität eingestellt und bieten passende Geldanlagemöglichkeiten: „Geldanlagen mit Garantie“ werden derzeit in großer Vielfalt angeboten. Gemeinsam ist ihnen, dass das Kapital zum Zeitpunkt der Fälligkeit in jedem Fall gesichert ist. Darüber hinaus kann der Anleger beispielsweise von einer positiven Börsenentwicklung profitieren. Möglich wird dies durch unterschiedliche Kombinationen von Produkten, die hinter den einzelnen Konzepten stehen. Manche Emittenten koppeln festverzinsliche Wertpapiere mit Aktienanlagen, andere verbinden verschiedene Instrumente der Terminbörsen, andere betreiben Absicherungsstrategien für Depots, die sich aus verschiedenen Aktien zusammensetzen, oder bieten Lösungen auf Investmentfondsbasis.
Gemeinsam ist allen diesen Produkten, dass der Anleger nicht in vollem Umfang von möglichen Kursgewinnen bei den Aktien profitiert: Einerseits kostet die Absicherung Geld, andererseits ist auch ein höherer Verwaltungsaufwand erforderlich, um die gewünschte Strategie ohne Risiken für den Kunden anbieten zu können.
Insbesondere kleinere Geldhäuser, aber auch professionelle Vermögensverwalter und freie Finanzvermittler setzen daher jetzt zunehmend auf eigene Anlagemodelle. Denn auch für private Anleger ist es möglich, sich eine „Geldanlage mit Kapitalgarantie“ zusammenzustellen. Als Basis dient ein Depot mit festverzinslichen Wertpapieren, das einen soliden langfristigen Ertrag von derzeit – je nach Titelauswahl und Laufzeit – zwischen drei und 5,5 Prozent erwarten lässt. Um die Rendite zu steigern, werden diesem Depot Aktien oder andere spekulative Papiere beigemischt.
Von der „hohen Kunst“
Die „hohe Kunst“ liegt darin, den Aktienanteil maximal so hoch zu wählen, dass das angelegte Kapital – in Abhängigkeit von der Laufzeit – zumindest erhalten bleibt.
Steht das Kapital beispielsweise fünf Jahre zur Verfügung und erwartet ein Anleger einen durchschnittlichen Zinsertrag der Rentenwerte, zum Beispiel Unternehmensanleihen, von 4,6 Prozent, dann müssen lediglich 80 Prozent des Gesamtkapitals investiert werden. Das hier angelegte Geld wächst dank Zins und Zinseszins bis zur Fälligkeit in fünf Jahren auf 100 Prozent der Gesamtanlage, sodass – theoretisch – das gesamte in Aktien investierte Geld verloren gehen dürfte.
Noch höher darf die Aktienquote im Fall einer längerfristigen Anlagestrategie ausfallen. Steht das Geld zehn Jahre zur Disposition und werden am Rentenmarkt 5,2 Prozent Rendite erzielt, dann stehen immerhin 40 Prozent des Gesamtvermögens für das Aktiendepot zur Verfügung – und das Kapital bleibt selbst im Fall eines Totalverlusts bei Aktien erhalten. Wenn der Anleger davon ausgeht, durch die Auswahl der Rentenpapiere eine höhere Rendite erzielen zu können, darf der Aktienanteil sogar noch höher ausfallen.
Allerdings stellt allein der Kapitalerhalt nur ein sehr schwaches Ergebnis dar. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass die genannten Zahlen im Fall der Eigenanlage im Gegensatz zu manchen vorgefertigten Produkten von einem Totalverlust der Aktienanlage ausgehen. Solche Totalverluste sind jedoch selten. Selbst wenn ein Investor seinen Aktienanteil sehr spekulativ auf zehn Papiere aus der Technologiebranche verteilen sollte, von denen zwei in einem Totalverlust enden, sind unter den verbleibenden acht Unternehmen – statistisch gesehen – immer noch mindestens ein oder zwei dabei, die dem Anleger hohe Profite bescheren. Dann sieht die Rechnung ganz anders aus. Denn wenn mit dem Aktiendepot aufgrund einer ungünstigen Börsenentwicklung lediglich das Kapital erhalten bleibt, besteht die Rendite des Gesamtdepots immer noch aus den Erträgen des Rentenanteils.
Wenn die Aktien klettern, steigt auch der Wert des Gesamtdepots. Legt man beispielsweise einen durchschnittlichen jährlichen Kursanstieg der Aktien von acht Prozent zugrunde, ergibt sich bei zehnjähriger Anlage von 50 000 Euro mit einer Renditeerwartung der Rentenwerte von 5,2 Prozent folgende Rechnung: Investiert wurden 30 000 Euro (60 Prozent) in Rentenwerten mit 5,2 Prozent Rendite und 20 000 Euro in Aktien mit acht Prozent Ertrag. Nach zehn Jahren ist das Rentenvermögen auf 50 000 Euro (100 Prozent des investierten Kapitals) gewachsen. Gleichzeitig hat sich das Aktienvermögen auf 43 178 Euro verbessert. Der Anleger verfügt mithin über ein Kapital von 93 178 Euro. Dies entspricht einer risikofreien (!) Gesamtrendite von 6,4 Prozent. Hat der Anleger gar risikofreudig mit Optionsscheinen spekuliert und damit in zehn Jahren zum Beispiel 500 Prozent Plus gemacht, erzielt er zum Ende dieses Zeitraums einen Erlös von 170 000 Euro. Dies bedeutet eine – praktisch risikofreie – Rendite von satten 14,6 Prozent.
Der große Vorteil liegt ohnehin in der Tatsache, dass jeder Investor nach seiner persönlichen Risikobereitschaft handeln kann und zudem flexibel bleibt: Konservativere Anleger wählen beispielsweise deutsche Standardwerte oder sogar indexorientierte Geldanlagen. Gerade unter längerfristigen Gesichtspunkten ist hier von einer Jahresrendite zwischen acht und zehn Prozent auszugehen. Damit sollte sich der Wert des Aktienanteils in zehn Jahren zumindest verdoppeln, sodass die Strategie letztlich deutlich im Plus endet. Doch selbst im Fall einer eher spekulativen Strategie hat der Anleger immer noch die Möglichkeit zur jederzeitigen Umschichtung, sodass sich auch hier Totalverluste einzelner Papiere vermeiden lassen.
Allerdings funktioniert die Konstruktion nur dann, wenn die Rentenanlage sicher ist, hier also keine Verluste drohen. Papiere bonitätsschwacher Unternehmen scheiden damit ebenso aus dem Spektrum aus wie Anleihen in fremder Währung, die zwar oftmals Renditevorteile abwerfen, jedoch auch entsprechende Risiken bergen. Interessant sind hingegen Unternehmensanleihen erstklassiger Emittenten, mit denen sich gerade in jüngster Zeit gute Erträge erzielen lassen.
Über eine Tatsache sollte sich jedoch jeder Anleger im Klaren sein, ob er nun selbst investiert oder ein vorgefertigtes Garantieprodukt erwirbt: Der Kapitalerhalt ist nur zum Ende der vorgesehenen Laufzeit sichergestellt. Zwischenzeitlich können – dies ist in der jetzigen Kapitalmarktsituation auch wahrscheinlich – die Kurse der Rentenwerte auch einmal beträchtlich schwanken. Im Fall einer vorzeitigen Auflösung muss also möglicherweise mit Verlusten gerechnet werden. Peter Jobst
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