ArchivDeutsches Ärzteblatt47/1996Gesundheitspolitik: Schnelles Ende der Zufriedenheit

SPEKTRUM: Leserbriefe

Gesundheitspolitik: Schnelles Ende der Zufriedenheit

Greiner, Ursula

Zu dem Beitrag "Kaum noch Kapazitätsengpässe" von Dr. rer. pol. Harald Clade in Heft 37/1996 Zu dem Beitrag "Abschied vom Sozialstaat: Kundenorientierung statt Rationalisierung" von Prof. Dr. med. Horst Baier in Heft 42/1996
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LNSLNS Der Aufsatz von Prof. Dr. Baier verdeutlicht in klarer Weise, wie notwendig es ist, die aus der Idee der sozialen Verantwortung entstandenen Krankenkassen umzuwandeln in Risikoversicherungen ähnlich den Kfz-, Hausrat- oder Rechtsschutzversicherungen. So wie hier die Kundin oder der Kunde nach eigenem Ermessen und ihren finanziellen Möglichkeiten ihre Absicherung gestalten kann, sollte auch im Gesundheitswesen die Möglichkeit der freien Wahl geboten werden. Nachteilig wäre natürlich, daß solcherart strukturierte Kran­ken­ver­siche­rungen bei fahrlässiger Risikoerhöhung die Leistung verweigern könnten (vergleichbar Trunkenheitsfahrt bei der Kfz-Haftpflichtversicherung) und eine Pflicht zur Schadensminimierung nach Eintritt des Versicherungsfalles fordern könnten. Nachdem wir Ärzte im allgemeinen Denken und im fast schon allgemeinen Sprachgebrauch zu Leistungserbringern mutiert sind, ist eine solche Rationalisierung nur noch ein letzter konsequenter Schritt. Nur kommt da noch ein allerletzter Schritt hinzu, nämlich der, die Folgen einer Unterversicherung – ob aus Leichtfertigkeit, Unwissen oder Armut entstanden, spielt keine Rolle – bei jedem einzelnen mitansehen und hinnehmen zu können. Denn wenn die Behandlungskosten einen nicht ausreichend Versicherten finanziell überfordern, darf nun nicht die Sozialhilfe einspringen, sonst entsteht unter dem Strich wieder dieselbe Belastung für alle. Ich frage mich, ob da die gepriesene Zufriedenheit der Kunden nicht sehr schnell ein Ende findet.
Dr. Ursula Greiner, Weiherackerweg 13, 91080 Marloffstein
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