ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2003Krankenhäuser: Kostendruck verhindert Gehaltszuwächse

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Krankenhäuser: Kostendruck verhindert Gehaltszuwächse

Dtsch Arztebl 2003; 100(46): A-3052 / B-2532 / C-2368

Flintrop, Jens

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Fotos: Eberhard Hahne [M]
Fotos: Eberhard Hahne [M]
Ein Grund, warum viele Ärzte ihren Beruf nach kurzer Zeit wieder aufgeben und in die Industrie wechseln, ist die Aussicht auf
mehr Geld. Eine aktuelle Studie belegt, dass die Gehälter von Führungskräften in Krankenhäusern deutlich unter denen in anderen Wirtschaftsunternehmen liegen. Während der Geschäftsführer eines
Krankenhauses durchschnittlich 120 000 Euro Jahresgehalt bezieht, bringt es ein Manager in vergleichbarer Position in einer anderen Branche auf 233 000 Euro. Aber: Die Bezüge der Chefärzte liegen mit 291 000 Euro deutlich über den Einkommen der nicht-ärztlichen Führungskräfte. Dies sind die Ergebnisse der Studie „Führungskräfte in Krankenhäusern 2003“, vorgelegt von der Kienbaum Management Consultants GmbH, Gummersbach.
„Obwohl die Krankenhäuser erstklassige Führungskräfte benötigen, unterliegen sie auch bei der Vergütungsgestaltung einem enormen Kostendruck“, erklärt Projektleiter Jürgen Schoder. Dieser verhindere Gehaltszuwächse, wie sie in der freien Wirtschaft möglich und üblich seien.
An der Kienbaum-Studie beteiligten sich 147 Krankenhäuser, die 676 nichtärztliche Führungspositionen und 552 Chefarzt-Positionen meldeten. Lediglich 195 Positionen sind demnach von Frauen besetzt. Dies entspricht einem Anteil von 18 Prozent. Allerdings sind die beruflichen Chancen der Frauen in Krankenhäusern immer noch besser als in Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft, wo der Anteil weiblicher Führungskräfte im Westen knapp acht Prozent und im Osten 14 Prozent beträgt. Während ein Geschäftsführer eines Krankenhauses durchschnittlich 122 000 Euro verdient, muss sich seine Kollegin mit einem Einkommen von 99 000 Euro begnügen. Noch deutlicher ist die Differenz bei den Chefärzten.
Im Ost-West-Vergleich fällt auf, dass Geschäftsführer im Westen wie im Osten Deutschlands annähernd gleich viel verdienen. Der Chefarzt West hingegen erzielt ein wesentlich höheres Jahreseinkommen als sein Kollege im Osten. Dabei werden in vielen Fällen in
Ostdeutschland vergleichbare Grundgehälter gezahlt. „Die deutlich niedrigeren Gesamteinkommen sind darin begründet, dass im Osten den Chefärzten seltener ein Liquidationsrecht eingeräumt wird und das Liquidationsvolumen im Durchschnitt geringer ausfällt“, erläutert Schoder.
In Industrie und Handel erhalten nahezu 90 Prozent aller Geschäftsführer einen Teil ihres Einkommens in erfolgsabhängiger Form. Durchschnittlich liegt der variable Anteil bei 27 Prozent der Jahresgesamtbezüge. In Krankenhäusern haben leistungsabhängige Zusatzvergütungen bei weitem noch nicht diese Bedeutung. Fast zwei Drittel der Geschäftsführer (65 Prozent) und 47 beziehungsweise
43 Prozent der Verwaltungsdirektoren/Kaufmännischen Direktoren und Verwaltungsleiter erhalten Teile ihres Einkommens in variabler Form. Bei den übrigen Führungskräften liegt der variable Anteil zwischen 45 Prozent (Controller) und 17 Prozent (Wirtschaftsabteilung/Zentra- ler Einkauf). „Im Zusammenhang mit der neuen Wettbewerbssituation kommt der variablen Vergütung auch in Krankenhäusern eine immer stärkere Bedeutung zu“, analysiert Schoder. Die Verbindung von individueller Leistungsfähigkeit und Erfolg der Krankenhausbetriebe mit der Vergütung der Führungskräfte steigere die Identifikation der Führungskräfte mit ihrem Krankenhaus und honoriere besondere Leistungen.
Der Dienstwagen gehört in Industrie und Handel zu den am weitesten verbreiteten Zusatzleistungen. Geschäftsführer und Vorstände verfügen durchweg über dieses Extra; auf der ersten und zweiten Führungsebene liegt die Verbreitung bei 73 beziehungsweise 44 Prozent.
In Krankenhäusern haben Dienstwagen eine weit geringere Verbreitung. Während jeder zweite Geschäftsführer einen Dienstwagen fährt, steht nur noch gut einem Viertel der Verwaltungsleiter ein Auto zur Verfügung. Abteilungsleiter und Chefärzte fahren nur in Ausnahmefällen einen Dienstwagen. Jens Flintrop
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