ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2003Splitternackt im Bottich

VARIA: Post scriptum

Splitternackt im Bottich

Dtsch Arztebl 2003; 100(47): [72]

Pfleger, Helmut

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Wer im Alter häufig Denksport treibt, etwa Schachspielen, der beugt möglicherweise einem Morbus Alzheimer vor“, lese ich gerade als Quintessenz einer Studie, in die Anfang der 80er-Jahre fast 500 Menschen ohne Demenz zwischen 75 und 85 Jahren im US-Staat New York aufgenommen wurden und die 2001 endete (New England Journal of Medicine 348, 2003, 2508). Die Diagnose Demenz wurde aufgrund mehrerer Tests (Aufmerksamkeit, Gedächtnis et cetera) festgestellt, im Abstand von zwölf bis 18 Monaten wurden klinische und neuropsychologische Untersuchungen durchgeführt. Am seltensten erkrankten die Teilnehmer, die häufig Schach spielten (26 Prozent) und musizierten (31 Prozent). Allerdings, werte Schachspieler, Tanzen war noch eine Spur wirkungsvoller als das Aushecken von Mattstrategien (24 Prozent).
Gleich musste ich an die Nestoren des Ärzteschachturniers denken: Dr. Reichel (90), Dr. Schütz (93) und den leider im Juli verstorbenen Dr. Faulhaber (91), Vorbilder an geistiger Frische.
Wer, wie Dr. Schütz, immer noch Abfahrten mit den Skiern hinunterjagt und im so kalten Winter Anfang 1945 mit Schlitten und Pferd im dichten Schneetreiben zu einer weitab gelegenen Kate fährt, in stockfinsterer Nacht nichts mehr sieht, den Weg verliert, diesen dem Pferd überlässt, welches ihn instinktiv findet, weil er kurz zuvor dort die junge Frau entbunden hat, schließlich völlig vereist und verschneit ankommt und gleich von der ihn sehnsüchtig erwartenden Familie, bevor er seinem ärztlichen Handwerk nachgehen kann, ausgezogen und splitternackt zum Aufwärmen in den großen Bottich mit heißem Wasser mitten in der Wohnstube gesteckt wird, begleitet von wohlmeinenden Blicken und Reden aller, der sollte eigentlich sein Lebtag nicht mehr Tod und Teufel und Alzheimer fürchten müssen.
Zum Abschluss eine kleine Alzheimerprophylaxe vom letzten Ärzteturnier. Sehen Sie, wie Dr. Moog als Weißer nach einem Läuferopfer auf g6 Dr. Wilhelm ein herrliches Matt in 7 Zügen ankündigen konnte, wobei der schwarze König zu seinem Leidwesen magnetisch ins weiße Lager gezogen wird?

Lösung:
Nach 1. Dxg6+ Ke7 2. Df7+ Kd6 3. Sb5+! (um den schwarzen Monarchen nicht via c7 entwischen zu lassen) Kd5 4.c4+ (auch 4.e4+ hätte nach 4. ...Kxe4 5. Dg6+ Kf4 6.0-0+ Ke3 7. Dd3 matt zum Ziel geführt) Ke4 5. Dg6+ Kxe3 6. Dg3+ Ke4 7. Df3 matt war es um den schwarzen König geschehen – tief im Feindeslager und verlassen von all den Seinen.
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