ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2003Postinfarkt-Therapie: ACE-Hemmer bleiben Standard

AKTUELL: Akut

Postinfarkt-Therapie: ACE-Hemmer bleiben Standard

Dtsch Arztebl 2003; 100(47): A-3057 / B-2537 / C-2373

Koch, Klaus

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LNSLNS ACE-Hemmer gehören zur gut belegten und relativ preiswerten Standardtherapie für Patienten mit einem frischen Herzinfarkt. Diesen Platz werden ihnen die Angiotensin-Rezeptorblocker (AT2-Blocker) bis auf weiteres nicht streitig machen können. In einer randomisiert-kontrollierten Vergleichsstudie (VALIANT) an 14 703 Infarkt-Patienten schnitt der AT2-Blocker Valsartan nicht besser ab als der ACE-Hemmer Captopril. Mark Pfeffer von der Harvard Medical School stellte die Ergebnisse der Studie auf der Jahrestagung der American Heart Association vor, gleichzeitig wurden sie im New England Journal of Medicine publiziert (2003; 349: 1893). Die Teilnehmer – etwa ein Drittel waren Frauen – hatten zugestimmt, sich einer von drei Gruppen zulosen zu lassen: 4 909 Patienten erhielten nach ihrem Infarkt Captopril, weitere 4 909 Valsartan und eine dritte Gruppe von 4 885 Patienten die Kombination aus Captopril und Valsartan.

Nach durchschnittlich zwei Jahren Beobachtungszeit unterschied sich die Gesamtzahl der Todesfälle in den drei Gruppen nicht, die Rate lag zwischen 19,3 und 19,9 Prozent. Auch in der Verträglichkeit ergab die Studie keine deutlichen Vorteile für eine der beiden Substanzen: In beiden Gruppen hatte etwa jeder fünfte Patient die Medikamente abgesetzt. Unter der Kombinationstherapie stieg jedoch die Rate der Aussteiger, ohne dass die Sterblichkeit sank: „Es gibt keinen Grund, ACE-Hemmer und AT-Blocker in Kombination einzusetzen“, kommentierte Bertram Pitt, Ann Arbor.

Pfeffer bemühte sich, die Ergebnisse der vom Valsartan-Hersteller Novartis finanzierten Studie positiv darzustellen: Bei diesen Patienten sei Valsartan eine „klinisch wirksame Alternative“ zu einem ACE-Hemmer, sagte er. Allerdings sprächen derzeit entscheidende Daten für ACE-Hemmer als erste Wahl, ergänzen Douglas Mann vom Veterans Affair Medical Center und Anita Deswal vom Baylor College of Medicine, beide in Houston, im New England Journal: Zum einen seien ACE-Hemmer besser erprobt, zum anderen als Generikum deutlich preiswerter. Für die Minderheit der Postinfarkt-Patienten, die ACE-Hemmer nicht vertragen, gebe es jetzt aber eine Alternative. Klaus Koch
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