ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2003Antibiotikaresistenzen: Zunehmende Prävalenz

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Antibiotikaresistenzen: Zunehmende Prävalenz

Dtsch Arztebl 2003; 100(47): A-3058 / B-2538

Richter-Kuhlmann, Eva

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Noch immer werden in der Tierhaltung Antibiotika nur prophylaktisch eingesetzt. Foto: dpa
Noch immer werden in der Tierhaltung Antibiotika nur prophylaktisch eingesetzt.
Foto: dpa
Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung soll reduziert werden.
Als „höchst bedenklich“ bewertet Alexander Müller, Staatssekretär im Bundesverbraucherschutzministerium, den prophylaktischen Einsatz von Antibiotika bei Tierherden. Auf dem Symposium „Risikoanalyse Antibiotikaresistenz“ des Bundesinstituts für Risikobewertung am 10. November in Berlin kündigte Müller eine Risikobewertung des Antibiotikaeinsatzes in der Tierhaltung an. Darauf aufbauend sollen Empfehlungen für ein aktives Risikomanagement erarbeitet werden.
Weltweit habe in den letzten fünf Jahren die Prävalenz der Antibiotikaresistenzen bei Mensch und Tier deutlich zugenommen, sagte Dr. Fred Angulo vom Center for Disease Control and Prevention, USA. Es mehrten sich die Beweise, dass Lebensmittelinfektionen beim Menschen mit dem Antibiotikaeinsatz beim Tier (besonders von Chinolonen und Cephalosporinen der dritten Generation) korrelieren. Therapieversager, längere Kranken­haus­auf­enthalte und eine höhere Mortalität beim Menschen seien die Folge. Zu den fluorchinolon-resistenten Keimen gehören verschiedene Salmonellen- und Campylobacter-Stämme. Diese Keime sind bei Tieren weit verbreitet, gehen hier aber selten mit Erkrankungen einher. Werden sie auf den Menschen übertragen, rufen sie Magen-Darm-Infektionen hervor. Kritik der Experten: Während Fluorchinolone in der Humanmedizin als Reserveantibiotika gelten, werden sie in der Tiermedizin zur Bestandsbehandlung von Geflügel über das Trinkwasser eingesetzt, wobei auch nicht erkrankte Tiere behandelt werden. In Dänemark komme dies kaum noch vor, berichtete Dr. Hendrik Caspar Wegener vom Dänischen Zoonosen Zentrum, Kopenhagen. Deshalb sei dort die Fluorchinolon-Resistenz sehr niedrig ausgeprägt. Ein 1995 erlassenes Gesetz, das den Gewinn der Tierärzte durch das Verschreiben der Präparate deutlich reduziert, hätte zu einer um 70 Prozent gesunkenen Verwendung geführt. ER
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