ArchivDeutsches Ärzteblatt47/1996Rehabilitation: Frechheit

SPEKTRUM: Leserbriefe

Rehabilitation: Frechheit

Bayer, Karlheinz

Zu dem Beitrag "Vor drastischen Einschnitten" von Dr. rer. pol. Harald Clade in Heft 39/1996
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LNSLNSLNSLNS Reha-Medizin betreiben Klinikärzte und niedergelassene Ärzte in gleicher Weise und sicher mit derselben Überzeugung vom Nutzen von Rehabilitation und Prävention. Was jetzt auf die stationäre Kur zukommt, haben die niedergelassenen Badeärzte in drei Wellen 1981, 1989 und 1992 mit dem Kostendämpfungs-, Gesundheits-Reform- und Gesundheitsstrukturgesetz bereits bitter zu spüren bekommen.
Mit der Kürzung der Kurzuschüsse und der Kurdauer und der Regelung, daß für die Kur Urlaubstage in Anspruch genommen werden müssen, hat sich eine überproportionale Verlagerung der Kur vom ambulanten in den stationären Bereich abgespielt. Es ist hinreichend bekannt, daß Kuranträge auf ambulante Badekuren von den Krankenkassen "umgewandelt" wurden in Anträge auf stationäre Kuren, weil diese zu Lasten der Rententräger gehen, und daß Patienten die stationäre Kur nur deshalb wollen, weil sie damit billiger fahren. Diese Patientenwanderung hat nichts mit der Qualität zu tun, es ist eine ganz einfache Marktbeeinflussung. Unter dem Argument der Kostendämpfung hat diese genau das Gegenteil bewirkt, denn eine stationäre Kur ist bei annähernd gleichem Kurangebot vier- bis zehnmal teurer als eine ambulante.
Solange der Einschnitt in die Rehamedizin bedauert wird, kann ich dem Artikel zustimmen. Wenn aber der ambulante Badebetrieb geschmäht wird, die ambulanten therapeutischen "Gemeinschafts"-Einrichtungen als Palliativmaßnahme bezeichnet werden und suggeriert wird, die "Kur" sei im Gegensatz zu den stationären Rehamaßnahmen etwas Unseriöses, dann ist der Artikel eine Frechheit sondergleichen, die zeigt, daß der Autor ein Lobbyist der Kurkliniken ist und kein ernsthafter Vertreter der Reha-Medizin.
Es wäre an der Zeit, daß sich niedergelassene Badeärzte und Kliniken (wieder) zusammentun, um die Bedeutung der Rehabilitation herauszuarbeiten, statt sich gegenseitig die Patienten zu stehlen oder die Seriosität oder Effizienz abzusprechen . . .
Dr. Karlheinz Bayer, Forsthausstraße 22, 77740 Bad Peterstal
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