ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2003Fachkommunikation: Beschädigte Wissenschaftsssprache Deutsch

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Fachkommunikation: Beschädigte Wissenschaftsssprache Deutsch

Dtsch Arztebl 2003; 100(47): A-3086 / B-2565 / C-2396

Haße, W.

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LNSLNS Mit großer Ausführlichkeit schildert die Autorin die Misere der deutschen Verlage und verweist auf das neu gegründete e.Journal „German Medical Science“. Leider wird verschwiegen, dass die wissenschaftlichen Publikationen in einer sog. „ersten Ebene“ nur in englischer Sprache mit deutscher Zusammenfassung gedruckt werden (Autorenrichtlinien). Nach umfangreicher Kritik aus der Ärzteschaft wegen Missachtung der Landessprache teilte der Präsident der AWMF am 5. Juni 2003 schriftlich mit, dass die Arbeiten in Deutsch und Englisch erscheinen würden. Leider eine Fehlinformation. Hier hat die Redaktion eine hervorragende Chance verpasst, der beschädigten Wissenschaftssprache Deutsch wieder zu einem besseren Ansehen zu verhelfen. Es gibt keinen Zweifel, Englisch ist die lingua franca in der Spitzenwissenschaft, aber nicht für die Ärzteschaft, die Krankenkassen und die Patienten! Nach eigenen Umfragen beherrschen nur ca. 20 % der Kolleginnen und Kollegen Englisch „sicher“. Ein signifikanter Unterschied in den Altersgruppen bestand nicht. Das bedeutet, dass eine große Mehrheit in der Weiterbildung beeinträchtigt ist. Trotz dieser bekannten Tatsachen wird den Nachwuchswissenschaftlern und Mitgliedern der Fachgesellschaften, abgesehen von erfreulichen Ausnahmen, von den Herausgebern, Klinikdirektoren und Kongressveranstaltern die englische Sprache diktiert, Stichwort „internationale Positionierung“. Winkmann et al. wiesen nach: „Durchschnittlich 45 % englischsprachige Artikel zitierten im Zeitraum 1995 bis 2000 die 1995 bis 1999er Beiträge der deutschsprachigen Journale.“ Es liegt in der Hand inländischer Autoren, den Impaktfaktor deutschsprachiger Zeitschriften durch ein bewussteres Zitieren zu verbessern. Der Wunsch nach einem von den USA unabhängigen europäischen Zeitschriftenfaktor wird immer stärker. Die Herausgabe des Journals „German Medical Science“ in Deutsch und Englisch wäre ein guter Anfang gewesen und hätte allen inländischen Nachwuchswissenschaftlern eine Publikationschance gegeben.
Prof. Dr. med. W. Haße,
Eitel-Fritz-Straße 35, 14129 Berlin
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