ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2003Medizingeschichte(n): Mesmerismus Sympathie

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Medizingeschichte(n): Mesmerismus Sympathie

Dtsch Arztebl 2003; 100(47): A-3094 / B-2571 / C-2401

Schott, H.

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ausgewählt und kommentiert von H. Schott

Zitat: „Daß die Sympathie in die Ferne, das heißt nach dem gewöhnlichen Sinne des Worts, über die sichtbaren Gränzen der Körper hinaus wirke, ist keine Zweifel, und erhellt schon aus ihrem Begriff als einer dynamischen Action, im Gegensatz der mechanischen Wirkungen, welche ohne unmittelbare Berührung nicht möglich sind [...]. Indessen giebt es Fälle, wo wir allerdings Erscheinungen der Sympathie deutlich durch sichtbare Leiter vermittelt sehen. So wirkt magnetisirtes Wasser [1] nicht nur auf die Geschmacksnerven der für den thierischen Magnetismus [2] empfänglichen Personen, sondern bringt getrunken oft dieselben Wirkungen, als die unmittelbare Einwirkung des Magnetismus hervor, und ein Tropfen Blattergift [3] oder ein anderer Ansteckungsstoff kann, viele Meilen weit versendet, die Krankheit desjenigen, von welchem er genommen wurde, in einem anderen Körper erzeugen. Die Art, wie diese Fortpflanzung geschieht, ist schwer zu bestimmen, doch ist es wahrscheinlich, daß alle diese Substanzen durch eine gewisse Polarität, die sie von dem einen Subject erhalten und auf das andere fortleiten, fähig werden, als Vermittlungsglieder der Sympathie zwischen entfernten lebenden Körpern aufzutreten, und so sehen wir, wie die sichtbaren Gränzen der organischen Körper keineswegs auch die Gränzen ihrer lebendigen Thätigkeit sind, und wie diese, selbst in großer Entfernung, durch Sympathie sich wirksam zu äußern vermag.“

Friedrich Hufeland: Ueber Sympathie. Weimar, 1811; S. 40 ff. [1] Im Mesmerismus auch als Heilmittel angewandt. [2] Synonym: Lebensmagnetismus, Mesmerismus. [3] Pocken-Ansteckungsstoff. – Friedrich Hufeland (1774–1839), der jüngere Bruder von Christoph Wilhelm H. (1762–1836). „Sympathie“ ist ein Zentralbegriff der wissenschaftlichen Medizin um 1800.

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