ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2003Medizingeschichte(n): Ethik in der Medizin

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Medizingeschichte(n): Ethik in der Medizin

Dtsch Arztebl 2003; 100(47): A-3108 / B-2582 / C-2410

Schott, H.

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ausgewählt und kommentiert von H. Schott

Ethik in der Medizin
Sterbehilfe
Zitat: „Am [...] 21. September [1939] ergriff Freud, als ich an seinem Bett saß, meine Hand und sagte zu mir: Lieber Schur, Sie erinnern sich wohl an unser erstes Gespräch. Sie haben mir damals versprochen, mich nicht im Stich zu lassen, wenn es soweit ist. Das ist jetzt nur noch Quälerei und hat keinen Sinn mehr. Ich [Max Schur] sagte ihm, ich hätte mein Versprechen nicht vergessen. Er seufzte erleichtert auf, hielt meine Hand noch einen Augenblick fest und sagte: Ich danke Ihnen. Nach einem Augenblick des Zögerns fügte er hinzu: Sagen Sie es Anna [1]. All das sagte er ohne eine Spur von Gefühlsüberschwang oder Selbstmitleid und in vollem Bewußtsein der Realität. Ich teilte Anna unsere Unterhaltung mit, wie Freud es gewollt hatte. Als er von neuem schreckliche Schmerzen hatte, gab ich ihm eine Injektion von zwei Zentigramm Morphium. Er spürte schon bald Erleichterung und fiel in friedlichen Schlaf. Der Ausdruck von Schmerz und Leiden war gewichen. Nach ungefähr zwölf Stunden wiederholte ich die Dosis. Freud war offensichtlich so am Ende seiner Kräfte, daß er in ein Koma fiel und nicht mehr aufwachte. Er starb um 3 Uhr morgens am 23. September 1939.“

Über Sigmund Freud (1939). In: Max Schur: Sigmund Freud. Leben und Sterben. Frankfurt/M, 1973; S. 620 f. [1] Jüngste Tochter Freuds, Kinderpsychoanalytikerin. – Schur emigrierte mit der Freud-Familie 1938 nach London. Der Begründer der Psychoanalyse litt seit etwa 1920 an einem höchst quälenden Krebs des harten Gaumens und schied schließlich mit Unterstützung seines „Leibarztes“ aus dem Leben.

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