ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2003Frühlockerung von Hüftgelenkendoprothesen: Schlusswort

MEDIZIN: Diskussion

Frühlockerung von Hüftgelenkendoprothesen: Schlusswort

Dtsch Arztebl 2003; 100(47): A-3115 / B-2588 / C-2416

Katzer, Alexander

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LNSLNS Für den Kommentar von Herrn Dr. Beyer sind wir dankbar, können jedoch seiner Auffassung, dass keine Indikation für eine Röntgenkontrolle besteht, nicht unbedingt folgen. Ausgehend von derzeit etwa 150 000 in Deutschland jährlich primär implantierten Hüftgelenkendoprothesen muss, wie dargelegt, von etwa 20 000 bis 30 000 vorzeitigen Lockerungen mit konsekutiver Schädigung des Implantatlagers ausgegangen werden, aufgrund der demographischen Entwicklung und der zunehmenden Implantationszahlen mit steigender Tendenz. Natürlich geht die Mehrzahl der Implantatlockerungen, und hierzu zählt auch die ausbleibende Osteointegration zementfreier Prothesen, mit – wenngleich zu diesem Zeitpunkt häufig auch nur geringen – Beschwerden einher. Dennoch blieben bei einem eher vorsichtig angesetzten Erfahrungswert von nur 20 Prozent symptomfreien beziehungsweise symptomarmen Verläufen jährlich etwa 4 000 bis 6 000 Frühlockerungen unentdeckt und würden einer verspäteten Therapie mit allen negativen Konsequenzen zugeführt.
Als besonderes Beispiel sei hier die Problematik der zementierten Titanprothese genannt, die trotz großer Osteolysen und damit verbundenen Knochendestruktionen zwischen kurzen Schmerzintervallen beschwerdefrei verlaufen kann. Der Wechsel des somit progressiv destruierten Gelenklagers wird ohne radiographische Kontrolle absehbar anspruchsvoller mit einem höheren Risiko und möglicherweise damit verbundenen Kostensteigerungen. In Anbetracht dieser erheblichen klinischen Relevanz sind sicherlich auch die Richtlinien für Strahlenhygiene auf die Situation adäquat anzuwenden.
Dem Einsatz der Sonographie, wie er von Herrn Dr. Diepolder vorgeschlagen wird, stimmen wir generell zu, jedoch nicht als routinemäßiges Screeningverfahren, um eine mögliche Endoprothesenlockerung zu diagnostizieren. Knochendichtemessungen können gegebenenfalls einen Hinweis auf eine Implantatlagerveränderung ergeben, sind jedoch zu diesem Zeitpunkt noch als experimentell zu betrachten.
Die Beurteilung der Weichteile ist sicherlich von Interesse, wenn entsprechende klinische Beschwerden vorliegen und man einen infektiösen oder posttraumatischen Verlauf kontrollieren will. Eine beginnende aseptische Lockerung wird sich jedoch mit diesem Verfahren nicht erfassen lassen. Die Abschätzung der Größe und Ausdehnung eines Gelenkgusses beziehungsweise die mit Sonographie assistierte Punktion eines Gelenkes oder Abszesses sind sicherlich von Vorteil für diese besonderen Indikationsstellungen.

Für die Verfasser:
Priv.-Doz. Dr. med. Alexander Katzer
Endo-Klinik Hamburg
Holstenstraße 2
22767 Hamburg

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