ArchivDeutsches Ärzteblatt47/2003Benignes Prostata-Syndrom: Neu – Name, Leitlinie und Medikament

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Benignes Prostata-Syndrom: Neu – Name, Leitlinie und Medikament

Dtsch Arztebl 2003; 100(47): A-3119

Leinmüller, Renate

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LNSLNS Die Therapie der benignen Prostata-Hyperplasie (BPH) gerät in Bewegung: In den USA wurden die Leitlinien um die Kombinationstherapie erweitert, ein neues Arzneimittel hemmt beide Enzyme, die Testosteron in seine wirksame Form überführen. Neu ist auch die Nomenklatur: die BPH heißt jetzt BPS – für benignes Prostata-Syndrom.
Aufgrund der MTOPS-Studie (Medical Therapy of Prostatic Symptoms) ist in den USA aktuell die Therapie großer Prostatae um die Kombinationstherapie mit Alpha-Adrenorezeptorenblocker und 5-Alpha-Reduktasehemmer erweitert worden. Die zeitlich befristete Kombination vereint den Vorteil der schnellen Wirkung der Alphablocker mit der progressionshemmenden Wirkung, die für Finasterid nachgewiesen ist.
Stärkere Hormonsuppression
Die neue Wirksubstanz Dutasterid (Avodart®) unterscheidet sich von Finasterid dadurch, dass beide Isoenzyme gehemmt werden, die Testosteron in Dihydrotestosteron (DHT) – das in der Prostata wirksame Hormon – umwandeln. Durch den dualen Wirkmechanismus und die stärkere Suppression des DHT (90 versus 70 Prozent) im Serum könnte die Progression des BPS stärker gehemmt werden und das Risiko für einen akuten Harnverhalt oder aber einen operativen Eingriff weiter minimiert werden, spekulierte Höfner.
Nachgewiesen ist eine stetige Absenkung des Prostatavolumens bereits ab dem ersten Monat, mit kontinuierlicher Verkleinerung über den Prüfzeitraum von zwei Jahren. Eine signifikante Verbesserung der Symptomatik sei bereits ab dem dritten Therapiemonat dokumentiert, Gleiches gelte für den verbesserten Harnfluss. Das Operationsrisiko sank im Untersuchungszeitraum auf die Hälfte, die Gefahr für einen akuten Harnverhalt um 57 Prozent.
Prostata-Symptom-Score
Da Alphablocker eine deutlich schnelle Wirkung zeigen, wurde auch mit Dutasterid eine Kombinationstherapie untersucht. Wie Prof. Rolf Muschter (Rotenburg/Wümme) erklärte, erhielten dabei Patienten mit großen Prostatae und mittlerer bis schwerer Symptomatik über sechs Monate Tamsulosin und Dutasterid, dann wurde der Alphablocker abgesetzt. Sechs Wochen später waren die klinischen Symptome – gemessen am Internationalen-Prostata-Symptom-Score (IPSS) – bei drei Viertel der Patienten unverändert.
Dies bedeutet, dass die halbjährige Kombination ausreichend ist zur Minimierung der Beschwerden, eine längere Gabe des Alphablockers dem Patienten keinen weiteren Gewinn bringt. Da die Patienten mit initial stärkeren Beschwerden in einer Subanalyse nach Absetzen etwas schlechter abschnitten, sieht Muschter bei dieser Gruppe eine längere Kombinationstherapie als sinnvoll an. Da sich Dutasterid durch eine lange Halbwertszeit auszeichnet, wird eine wöchentliche Gabe in Studien untersucht. Zu berücksichtigen ist – wie bei Finasterid – die Senkung des PSA auf 50 Prozent. Dr. Renate Leinmüller

Pressekonferenz „Kausal, Dual – Ideal? – Neue Wege in der Therapie des BPS“ von GlaxoSmithKline in London.
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