ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2003Osteoporose: Gensuche und Testentwicklung

AKTUELL: Akut

Osteoporose: Gensuche und Testentwicklung

Dtsch Arztebl 2003; 100(48): A-3133 / B-2605 / C-2433

Meyer, Rüdiger

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Veränderungen in einem Gen auf dem Chromosom 20p12 verdreifachen das Osteoporose-Risiko. Dies berichten Forscher der isländischen Firma deCODE in der Onlineausgabe der Public Library of Science Biology (DOI: 10.1371/journal/pbio.0000069). Zusammen mit der Firma Roche arbeiten die Forscher an einem Gentest, der die Frakturwahrscheinlichkeit vorhersagen soll. Die Osteoporose wurde bisher auf den Abfall der Knochendichte nach der Menopause und auf Lebensstil-Faktoren wie schlechte Ernährung und Bewegungsmangel zurückgeführt. Wie stark diese Faktoren sich auswirken, könnte genetisch bedingt sein. In den vergangenen Jahren wurden mehrere Suszeptibilitätsgene entdeckt, die sich in der Praxis aber nicht durchsetzen konnten. Jetzt beschreiben Forscher erneut ein Gen, welches die individuelle „Empfänglichkeit“ für die Zivilisationserkrankung erklären soll.

Unnur Styrkarsdottir und Mitarbeiter haben 207 Familien untersucht, in denen wenigstens ein Mitglied eine ungewöhnlich niedrige Knochendichte oder bereits eine osteoporosebedingte Fraktur erlitten hat. Die Forscher stießen auf eine Region auf dem kurzen Arm des Chromosoms 20. Hier befinden sich sechs bekannte Gene, darunter vier Gene, die Eiweiße codieren, die die Knochenbildung und die Differenzierung von Osteoblasten steuern. Im nächsten Schritt wurden 705 Individuen mit Osteoporose in einer Fall-Kontroll-Studie näher untersucht. Diese Analyse wies auf das Gen für das „Bone Morphogenetic Protein 2 (BMP2)“ hin, das bei der Knochenentwicklung beteiligt ist. Die Wissenschaftler sequenzierten das Gen bei 188 Patienten und 94 Kontrollpersonen. Sie entdeckten drei Genstörungen, die bei den Osteoporose-Kranken gehäuft auftraten. Etwa 30 Prozent der Patienten waren Träger dieser Gene, die möglicherweise das Risiko erhöhen.

Die Forscher untersuchten dann, ob diese Genvarianten auch in einer anderen Bevölkerungsgruppe vorhanden sind. Denn was für die genetisch abgeschiedenen Einwohner Islands zutrifft, muss nicht für den heterogenen Genpool der Mitteleuropäer gelten. Eine Studie an postmenopausalen Frauen in Dänemark zeigte jedoch, dass Frauen mit einer niedrigen Knochendichte oder mit osteoporotischen Frakturen gehäuft Trägerinnen der Genvarianten waren. Hieraus schöpft die Forschergruppe nun die Hoffnung, ein „echtes“ Suszeptibilitäts-Gen entdeckt zu haben. Rüdiger Meyer
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema