ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2003Marburger Bund: Gut weggekommen

POLITIK

Marburger Bund: Gut weggekommen

Dtsch Arztebl 2003; 100(48): A-3140 / B-2612 / C-2439

Clade, Harald

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Foto: Jürgen Gebhardt 104. Haupt­ver­samm­lung des Marburger Bundes, 8./9. November in Berlin: Delegierte aus Baden-Württemberg skeptisch abwartend
Foto: Jürgen Gebhardt 104. Haupt­ver­samm­lung des Marburger Bundes, 8./9. November in Berlin: Delegierte aus Baden-Württemberg skeptisch abwartend
Klinikärzte mit der Gesundheitsreform weitgehend zufrieden

Nach Einschätzungen des Marburger Bundes (Verband der angestellten und beamteten Ärztinnen und Ärzte Deutschlands e.V.) sind die Krankenhäuser und die Klinikärzte bei der Gesundheitsreform (GKV-Modernisierungsgesetz; GMG) nicht so schlecht weggekommen, wie es manche Kritiker darstellten. Ganz im Gegenteil: Zwar habe die Politik die Chance erneut verpasst, eine generationengerechte Finanzierung, eine Durchforstung des Pflichtleistungskatalogs der Gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung und eine prinzipielle Kehrtwende in der Gesundheitspolitik zu vollziehen, in einigen zentralen Punkten sieht der Verband dagegen „im Großen und Ganzen“ vernünftige Lösungen. Dies betrifft insbesondere die Ausgliederung von versicherungsfremden Leistungen, wie etwa des Zahnersatzes, des Sterbegeldes und der Leistungen bei Mutterschaft sowie die Erhöhung der Tabaksteuer zur Refinanzierung eines Teils dieser Leistungen aus dem allgemeinen Steueraufkommen.
Integrierte Versorgung
Einen Etappensieg bei der Realisierung der seit langem vom Marburger Bund (MB) verfochtenen Ziele sieht der Vorsitzende des Marburger Bundes, Dr. med. Frank Ulrich Montgomery, Radiologe, Oberarzt aus Hamburg, in der auch mit entsprechenden Finanzierungsmitteln ausgestatteten Integrierten Versorgung, in einer weiteren Teilöffnung der Krankenhäuser und der Einrichtung medizinischer Versorgungszentren neuer Prägung mit angestellten Ärzten, die sich künftig weitgehend mit den niedergelassenen Vertragsärzten in kooperativen Leistungsteams zusammenschließen könnten, tarifvertraglich aber abgesichert werden müssten. Als positiv bewertet der MB bei der Integrierten Versorgung, die künftig nach dem Willen der Politik zur Regelversorgung werden soll, die mit 680 Millionen Euro aus dem Integrationstopf bediente Anschubfinanzierung bis 2009, die Vertragslösungen und ein Reglement außerhalb der sonst geltenden Beitragssatzstabilität. Zielführend sei es auch, dass medizinische Versorgungszentren künftig der Bedarfsplanung unterliegen, auch Krankenhäuser sich als Finanziers an den Zentren beteiligen und diese mit dem Krankenhaus zu Gesundheitszentren erweitern könnten. Angestellte und freiberuflich tätige Ärzte müssten parallel im Team arbeiten.
Ein weiterer positiver Aspekt des GMG: Zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen und zur Einführung klinikpraktischer Arbeitszeitmodelle hat der Gesetzgeber einen Stufenplan 2004 bis 2006 vorgelegt, der zur Einstellung von rund 5 000 Klinikärzten führen soll. Kosten je Jahr: rund 300 bis 400 Millionen Euro. Allerdings: Der wachsende Arbeitskräftemangel im Krankenhaus kann nach Überzeugung des Marburger Bundes nur dann überwunden werden, wenn die Arbeitsbedingungen generell verbessert, der gesundheitliche Arbeitsschutz strikt eingehalten und mehr Geld für mehr Ärzte und eine bessere Bezahlung garantiert werden würde. Nur dann könnte man Ärzte wieder für die kurative Tätigkeit begeistern und auch die Mangelsituation beheben. Dr. rer. pol. Harald Clade
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