ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2003Sterbehilfe: Debatte schon lange fällig

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Sterbehilfe: Debatte schon lange fällig

Dtsch Arztebl 2003; 100(48): A-3157 / B-2630 / C-2455

Forstner, Jörg von

Kommentar eines Betroffenen:
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LNSLNS Eine öffentliche und vor allem sachliche Debatte über Schmerztherapie und Sterbebegleitung ist in Deutschland schon lange fällig. Die offensichtliche Unterversorgung bedürftiger deutscher Schmerzpatienten in allen Lebenslagen auch vor dem Tode belastet nicht nur mich als Schmerztherapeuten und Anästhesisten mit mehrjähriger Auslandserfahrung schon lange.
Unverständlich ist mir bisher gewesen, warum selbst Fachkollegen, die es besser wissen müssten, eine solch panische Angst vor Morphin und verwandten Stoffen bzw. vor deren vermeintlicher Überdosierung haben. Die international übliche Dosierung von Schmerzmitteln in Abhängigkeit von den individuellen Schmerzen des Patienten, anstatt von abstrakten Maßen, wie z. B. Milligramm, wird hierzulande von vielen Ärzten nicht praktiziert oder zumindest kategorisch ignoriert.
Somit wird im deutschen Alltag eine Unterdosierung, die für Patienten völlig unnötige Schmerzen bedeutet, von Ärzten und ihren Helfern in deutschen Krankenhäusern, Praxen und Notdiensten billigend in Kauf genommen.
Dass hier eine unterlassene oder unzureichende Schmerztherapie in den Medien als Straftatbestand der unterlassenen Hilfeleistung oder gar der Körperverletzung erwähnt wird, entzieht sich zumindest meiner Kenntnis – der schmerzhafte Alltag unzähliger leidender Menschen geht im Gleichmut unter.
Haben also die Ärzte Recht, die gar keine oder ungenügende Schmerztherapie betreiben? Vielleicht schon, denn der Arzt, der zum eigenen Schutz auf Kosten seiner Patienten deutsche Defensivmedizin praktiziert, ist sicher vor Strafverfolgung, Berufsverbot und Sensationspresse – zu Recht?
Dr. med. Jörg von Forstner, DEAA, Am Wellsee 159, 24146 Kiel
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