ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2003Weiterbildung: Keine Verbesserung der Integration

BRIEFE

Weiterbildung: Keine Verbesserung der Integration

Dtsch Arztebl 2003; 100(48): A-3158 / B-2630 / C-2456

Holitzner, W. V.

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Die neue (Muster-)Weiter­bildungs­ordnung hat im Bereich der Psychotherapie einige Änderungen gebracht. Die Gebietsbezeichnung Facharzt für Psychotherapie wurde geändert in Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie. Für diesen Facharzt ist das sicherlich eine längst fällige Verbesserung. Bei den Bereichsbezeichnungen (Zusatztitel) Psychotherapie und Psychoanalyse gab es aber ebenfalls Veränderungen, die gerade nicht unbedingt von Vorteil für viele Arztgruppen sind. Die bisher recht weit gefasste Zusatzbezeichnung Psychotherapie, die von allen Ärzten gleichermaßen erworben werden konnte und ein relativ breites Behandlungsspektrum zuließ, wurde zur fachgebundenen Psychotherapie. Das bedeutet, dass zukünftig Fachärzte, die die neue Bereichsbezeichnung Psychotherapie erwerben, nur noch Patienten psychotherapeutisch behandeln können, die Krankheiten ihres jeweiligen Fachgebietes aufweisen. Internisten können also nur internistisch kranke Patienten psychotherapeutisch behandeln, Gynäkologen nur gynäkologische Behandlungsfälle usw. Zwar mag das in manchen Facharztpraxen schon immer so gewesen sein, eine Verbesserung der Integration der Psychotherapie in alle medizinischen Fächer ist es jedoch nicht. Symptomverschiebungen bei psychisch bedingten körperlichen Beschwerden sind keine Seltenheit, und die Fixierung auf bestimmte, körperlich definierte Fachgebiete grenzt die psychotherapeutischen Möglichkeiten deutlich ein.
Noch schwieriger aber wird die neue (Muster-)Weiter­bildungs­ordnung dadurch, dass die Bereichsbezeichnung Psychoanalyse zukünftig nur noch für die drei so genannten Psycho-Fachärzte (Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Facharzt für Kinder- und Jugendlichen-
psychiatrie und -psychotherapie) zu erwerben ist. In der Realität ist das eine erhebliche Einschränkung, denn die Erfahrung zeigt, dass viele Fachärzte anderer Gebiete bisher diesen Zusatztitel erworben haben (z. B. Allgemeinärzte, Internisten, Kinderärzte, Gynäkologen, Anästhesisten, Neurologen usw.). Sofern die jeweiligen Lan­des­ärz­te­kam­mern keine von der (Muster-)Weiter­bildungs­ordnung abweichenden Regelungen treffen, stellt das eine schlechtere Verankerung der Psychotherapie insgesamt in der ärztlichen Weiterbildung dar.
Fazit: Es profitieren zwar die drei Psycho-Fachärzte von der neuen (Muster-)Weiter­bildungs­ordnung, für alle anderen Fachärzte verschlechtert sich jedoch die Möglichkeit, umfassende psychotherapeutische Kenntnisse zu erwerben und anzuwenden.
Dr. med. W. V. Holitzner,
Ringstraße 34, 12205 Berlin-Lichterfelde
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema