ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2003Medizingeschichte(n): Infektionskrankheiten

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Medizingeschichte(n): Infektionskrankheiten

Dtsch Arztebl 2003; 100(48): A-3179 / B-2648 / C-2473

Schott, H.

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LNSLNS Ausgewählt und kommentiert von H. Schott

Infektionskrankheiten
Kontagium
Zitat: „Ich werde jetzt die Gründe anführen, welche beweisen, daß die Materie der Kontagien nicht nur eine organische, sondern auch eine belebte, und zwar mit individuellem Leben begabte ist, die zu dem kranken Körper im Verhältnisse eines parasitischen Organismus steht. Dem Prinzip nach stimmt diese Ansicht überein mit der alten Theorie vom Contagium animatum, die oft bekämpft, und in verfeinerter Form immer wieder neu aufgetreten ist, denn in der Tat mussten die Erscheinungen im Verlaufe der kontagiösen Krankheiten zu allem Zeiten auf dieselben führen. Dagegen will ich mich verwahren gegen eine scheinbare Übereinstimmung, welche, oberflächlich betrachtet, die Lehre von dem Leben des Kontagiums mit einer pathologischen Theorie zeigen möchte, die als Residuum der Naturphilosophie in Deutschland noch viele Anhänger, und unter denselben Männern von großem wissenschaftlichem Einfluß zählt. Nicht das Kontagium, sondern die Krankheit wird von dieser Schule als ein parasitischer Organismus oder zweideutiger noch, als ein parasitischer Lebensprozeß betrachtet. Das Kontagium ist der Keim oder Same dieses parasitischen Wesens mit geborgtem Körper, durch welchen dasselbe sich fortpflanzt. [...]
Die Krankheiten gleichen einander, weil die Ursachen derselben einander gleichen. Das Kontagium in unserm Sinne ist also nicht der Keim oder Same der Krankheit, sondern der Krankheitsursache [...]. Nicht der Same der Krankheit, sondern der Krankheitsursache wird geimpft.“

Jakob Henle: Von den Miasmen und Kontagien und von den miasmatisch-kontagiösen Krankheiten (1840). In: Klassiker der Medizin; Bd. 3. Leipzig, 1910; S. 25 f. – Der Anatom und Physiologe Henle (1809–1885), ein Schüler von Johannes Müller, nahm mit dieser Schrift die Prinzipien der späteren Bakteriologie vorweg.

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