ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2003Cannabisbehandlung bei multipler Sklerose

MEDIZIN: Referiert

Cannabisbehandlung bei multipler Sklerose

Seger, Gabriele

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Die Ergebnisse einer ersten umfassenden randomisierten Studie zum potenziellen Effekt von Cannabis bei der Behandlung von multipler Sklerose (MS) präsentieren John Zajicek und Mitarbeiter von der Universität in Plymouth, Großbritannien. Wenngleich das Hauptergebnis keine Verbesserung der schweren spastischen Symptome zeigt, deuten die Resultate nach Ansicht der Wissenschaftler darauf hin, dass Cannabinoide bei der Verbesserung der Mobilität und Schmerzen bei MS ein klinisches Potenzial haben könnten.
Bei 630 MS-Patienten, die in 33 britischen Zentren behandelt wurden, untersuchten die Autoren die Effekte von oralen Cannabinoiden auf spastische und andere mit MS assoziierte Symptome. Die Patienten wurden randomisiert in drei Guppen aufgeteilt: 211 Patienten erhielten oral Cannabisextrakt, 206 Patienten bekamen D9-Tetrahydrocannabinol (THC) und 213 Patienten wurde ein Placebo verabreicht. Nach 15 Wochen wurden die Veränderungen der spastischen Symptome wie Steifheit der Muskeln und zuckende Bewegungen erneut untersucht und nach der Ashworth-Skala bewertet. In der Stärke der spastischen Symptome zeigten sich keine Unterschiede bei den Patienten, die mit Cannabinoiden behandelt wurden, verglichen mit denen, die ein Placebo erhalten hatten. Bei allen drei Gruppen verkürzte sich geringfügig die Zeit, die die Patienten für das Zurücklegen einer kurzen Strecke benötigten: bei den mit THC therapierten Patienten um 12 Prozent, bei den Patienten, die oral Cannabinoide oder ein Placebo bekommen hatten um 4 Prozent. 60 Prozent der mit Cannabisextrakt behandelten Patienten berichteten von subjektiv wahrgenommenen Verbesserungen der spastischen Symptome verglichen mit 46 Prozent der Placebogruppe. Von den mit Cannabisextrakt behandelten Patienten berichteten zudem 54 Prozent von verringerten Schmerzen gegenüber 37 Prozent in der Placebogruppe. Nach Ansicht der Autoren weisen diese Ergebnisse darauf hin, dass Cannabinoide zur Therapie MS-assoziierter Symptome klinisch nützlich sein könnten. Se

Zajicek J, Fox P, Sanders H et al., on behalf of the UK MS Research Group: Cannabinoids for treatment of spasticity and other symptoms related to multiple sclerosis (CAMS study): multicentre randomised placebo-controlled trial. Lancet 2003; 362: 1517–1526.

Dr. John Zajicek, Peninsula Medical School, Plymouth PL6 8BX, Großbritannien, E-Mail: john.zajicekphnt.swest. nhs.uk

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote