ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2003Arbeitsmarkt: Kliniken müssen um Nachwuchs werben

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Arbeitsmarkt: Kliniken müssen um Nachwuchs werben

Dtsch Arztebl 2003; 100(48): A-3196 / B-2660 / C-2484

Graf, Thomas

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Foto: Eberhard Hahne
Foto: Eberhard Hahne
Der Medizinernachwuchs schätzt seine Berufschancen als sehr positiv ein. In einer Umfrage des Karrierenetzwerks e-fellows.net beurteilten 49 Prozent der Teilnehmer ihre Berufschancen als „eher gut“, 42 Prozent sogar als „sehr gut“. Befragt wurden 255 Medizinstudenten, die während ihres Studiums mit dem Stipendium von e-fellows. net gefördert werden. Die positive Stimmung unter den Nachwuchsmedizinern ist berechtigt: Rund 3 000 Stellen sind in den Krankenhäusern derzeit unbesetzt. Zugleich ging die Zahl der Medizinabsolventen in den vergangenen sechs Jahren um ein Viertel zurück. Wer Arzt werden will, findet derzeit in der Regel auch eine Stelle. Doch wer will unter den derzeitigen Rahmenbedingungen noch Arzt werden?
Schlechte Arbeitsbedingungen, bis zu 80 Stunden Wochenarbeitszeit und Unterbezahlung ließen das Renommee des einst geschätzten Arztberufs in den letzten Jahren sinken. Stattdessen wanderten viele Medizinstudenten in alternative Berufe ab: in die Unternehmensberatung, Pharmaindustrie oder als Journalist in die Fachpresse. Mit der zum Oktober 2004 beschlossenen Abschaffung des AiP (Arzt im Praktikum) könnte sich das wieder ändern: Wer ab diesem Zeitpunkt das dritte Staatsexamen hinter sich und den AiP noch nicht begonnen hat, kann dann direkt und voll bezahlt in den Job einsteigen – ohne die 18-monatige Übergangszeit.
Die Umfrage von e-fellows. net zeigt: Die geplante AiP-Abschaffung macht den Arztberuf für Nachwuchsmediziner wieder attraktiv. Auf die Frage, wo sie später arbeiten möchten, nannten die befragten Medizinstudenten bei zwölf möglichen Alternativen an dritter Stelle „als niedergelassener Arzt“, gefolgt von „große Krankenhäuser oder Klinikverbünde“. Ganz oben stehen die Universitätskliniken und der Bereich „Forschung und Lehre“, weit abgeschlagen dagegen ist der Vertrieb in der Pharmabranche.
Keine Illusionen machen sich die befragten Nachwuchsmediziner beim wöchentlichen Arbeitspensum: Die Hälfte der Befragten rechnet mit einer Wochenarbeitszeit von mehr als 50 Stunden, fast ein Viertel sogar über 56 Stunden. Doch auch hier sind die Aussichten positiv: Nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom 9. September musste der Gesetzgeber den ärztlichen Bereitschaftsdienst entsprechend der EU-Richtlinie als Arbeitszeit anerkennen. Damit dürfen die Ärzte auf 48-Stunden-Wochen hoffen – allerdings fällt mit den Bereitschaftsdiensten auch deren Vergütung weg.
Doch AiP-Abschaffung und Arbeitszeitregelung werden nicht ausreichen, um wieder mehr Ärzte in die Krankenhäuser zu bringen. Vielmehr zeichnet sich ein echtes Ringen um die besten Nachwuchstalente ab. Begriffe wie Employer Branding oder Event-Recruiting sind im Gesundheitssektor bisher eher unbekannt. Doch um Anreize für Bewerber und Imagekampagnen von Arbeitgebern wird
es künftig gehen. Krankenhäuser werden sich dem Medizinernachwuchs als attraktive Arbeitgeber vorstellen müssen – vor allem in Ostdeutschland, wo in diesem Jahr drei Viertel der Krankenhäuser Stellen im ärztlichen Dienst nicht mehr besetzen können. Arbeitgeber von Medizinern werden in Stellenanzeigen künftig weniger verlangen als bieten müssen. Attraktive Arbeitsbedingungen werden zum Schlüsselkriterium beim Werben um den Nachwuchs.
Nach der Umfrage von e-fellows.net informieren sich Nachwuchsmediziner über künftige Arbeitgeber vor allem über persönliche Kontakte, in der Fachpresse, auf Fachseiten im Internet und Fachkongressen – weniger in allgemeinen Anzeigenmärkten. Hier müssen Klinikkonzerne, Kliniken und Krankenhäuser künftig investieren. Thomas Graf
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