ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2003zu Anleihen: Es geht um die Wurst

VARIA: Schlusspunkt

zu Anleihen: Es geht um die Wurst

Dtsch Arztebl 2003; 100(48): [72]

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Reinhold Zimmermann kennt von Ihnen vermutlich keiner. Seine Produkte schon eher. Reinhold Zimmermann aus Bochum ist nämlich Chef der Wurstfabrik Zimbo. Seine Pfefferbeißer und Teutoburger Frikadellen sowie Ammerländer Vierjahreszeitensalami harren in vielen bundesdeutschen Haushalten der hungrigen Mäuler.
Nun soll Zimbo nicht nur als Gaumenschmaus den Gefallen der Leute finden, sondern auch mit einer neuen Form der Geldanlage Furore machen. Das Problem des Bochumer Fleischkonzerns ist zunächst einmal bloß, dem Mittelstand anzugehören. Im Prinzip ist so was durchaus nicht anrüchig, aber Banken tun halt so, als würde es in mittleren Unternehmen vor Hungerleidern wimmeln und dementsprechend knapp wird das Kreditportfolio gehalten.
Wenn die Banken uns kein Geld geben wollen, holen wir uns es eben direkt von den Anlegern, hält das Zimbo-Management trotzig dagegen. Der Kapitalhunger der Bochumer ist nicht eben gering. Von der einfachen Metzgerei des Vaters Max wurde Zimbo zu einem international agierenden Fleischkonzern ausgebaut, der dem Konkurrenten Herta kaum nachsteht. Zimbo wird dieses Jahr vermutlich die Umsatzmarke von 600 Millionen Euro locker überschreiten.
Eine Unternehmensanleihe soll es jetzt also richten. Die Zimbo-Anleihe wird per Zeitungsanzeige offeriert, ein wirklich seltener Vorgang, diese direkte Form der Geldbeschaffung, zumal es sich bei einem Volumen von 15 Millionen Euro nicht gerade um einen Pappenstiel handelt.
Den Zeichnern der Anleihe wird bei einer Laufzeit von fünf Jahren ein Zins von sieben Prozent versprochen, was an und für sich eine recht ansehnliche Rendite darstellt. Die Abwicklung des Kaufs soll über das Münchener Bankhaus Reuschel laufen. Ein schmackhaftes Angebot also?
Zunächst einmal klingt die Rendite von sieben Prozent recht üppig. Allerdings ist das Ausfallrisiko der Zimbo-Anleihe höher einzustufen als bei vergleichbaren Unternehmensbonds mit einem Investmentgrade von Standard & Poors oder Moody’s. So gesehen muss Zimbo auch eine höhere Verzinsung bieten, um überhaupt rendite-/risikogerecht am Markt zu agieren.
Was mich auch nicht gerade in Begeisterung verfallen lässt, ist die Tatsache, dass es keinen Börsenmarkt gibt, auf dem die Anleihe die nächsten fünf Jahre gehandelt werden kann. Ich bin also auf Gedeih und Verderb an die Ablauffrist gebunden. Das kann schnell zum Bumerang werden.
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