ArchivDeutsches Ärzteblatt48/2003Operngala für die Aids-Stiftung: Brillante Sänger – humorvolle Moderation

VARIA: Post scriptum

Operngala für die Aids-Stiftung: Brillante Sänger – humorvolle Moderation

Dtsch Arztebl 2003; 100(48): [72]

Juds, Bernd

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„Wie immer: zum letzten Mal“ – aber diesmal angeblich unwideruflich – führte Preußens Musik-Satiriker Vicco von Bülow („Loriot“) durch die glanzvolle Gala in der Deutschen Oper. Der mittlerweile 80-jährige Prominente zieht alljährlich geldschwere Galatouristen und gebefreudige Idealisten nach Berlin an die dampfenden Buffets in den Foyers, zur Schau der paillettierten Roben und kamerabezogenen Gestikulierer – und zu den traurigen Referaten über das Statistische. Seit zehn Jahren kommt man dort zusammen, seit Götz Friedrich alle Nachdenklichen, dazu jeweils zwanzig illustre Sänger, in sein Haus an der Bismarckstraße einlud. Die Aids-Stiftung half in der Vergangenheit nicht nur „erkrankten Menschen in materiellen Notlagen“, sie unterstützte auch manches Projekt. Mit 18 Millionen Euro konnte man bisher in Einzelfällen und bei Projekten helfen.
Nobel-Laureatin Nadine Gordimer erinnerte in ihrer bewegenden Festansprache daran, dass „sich in unserer Welt alle 14 Sekunden ein Mensch mit HIV infiziert“. Mit dem Blick vor allem auf Afrika und dort wiederum auf ihre südafrikanische Heimat, wo die „unkontrollierte Pandemie und Jahrtausend-Pest“ wütet, verwies sie auf die „Verantwortung der Regierungen und internationalen Konzerne“, da man ja „Mittel zur Eindämmung der Krankheit“ sehr wohl besitze. 42 Millionen Erkrankte erwarteten vom „Konzept der Globalisierung“ mehr als nur die „Neuordnung der Handelsbeziehungen“. Schriftsteller, Musiker und Sänger, überhaupt die „Weltgemeinschaft der Künste“, hätten eine besondere Verantwortung. Ihr Engagement könne zur „Quelle der eigenen Kreativität“ werden. Und viele kamen: darunter Grace Bumbry (herrlich als Dalila mit „Mon cœur s’ouvre“), Veselina Kasarova (mit Massenets „Air de la lettre“), Paoletta Marrocu als „La Wally“ von Catalani. Bei den Signori glänzten Jochen Kowalski mit einer „Cäsar“-Arie von Händel (Va tacito“), Paolo Gavanelli mit dem „Bajazzo“-Prolog und René Pape (von Maestro Daniel Barenboim begleitet) mit dem „Wegweiser“ aus „Schuberts Winterreise“. Am Pult, aufgewühlt, Kent Nagano. Geraldine Chaplin, die sich „overwhelmed“ und besorgt zeigte, Aids könne zu einer „forgotten disease“ werden, nahm dann für die Veranstalter den hoch dotierten Scheck einer US-Firma entgegen.
Und endlich Loriot: der Spötter, trocken wie sein märkischer Heimatsand, interferierte mit gewohnter Meisterschaft und garnierte das ernste Thema mit kritischen Spitzen: etwa – siehe Bizets Torero-Oper – die „Lust, spanisches Rindvieh umzubringen“. Und zu Lehárs „Land des Lächelns“: Dies sei „keine Umschreibung für die deutsche Bundesrepublik“.
Bernd Juds
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