ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2003zu Festgeld: Schnaps drauf

VARIA: Schlusspunkt

zu Festgeld: Schnaps drauf

Dtsch Arztebl 2003; 100(49): [76]

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LNSLNS Die goldenen Zeiten, in denen der Zinsfuchs seinen Banker bei Festgeldern dazu brachte, einen Schnaps draufzulegen, sind noch längst nicht da. Frühere Verhandlungsspielräume in der Viertelprozentregion oder gar darüber sind im Moment weit und breit unvorstellbar. Es macht ja auch keinen Sinn, sich bei einem Termingeld von bestenfalls zwei Prozent dem Trugschluss hinzugeben, große Spannen aushandeln zu können.
Aber es geht doch wieder aufwärts. Der Trend zeigt auch im kurzfristigen Bereich eindeutig nach oben. Zwar liegt das Niveau im Moment immer noch knapp bei historischen Tiefständen mit jedoch aufwärts gerichteter Tendenz, aber ich würde mich nicht wundern, wenn für Festgelder binnen zwölf Monaten wieder Renditen nahe der Vierprozentmarke erzielbar sind. Die Gründe für den erwarteten Zinsanstieg liegen auf der Hand. Die Konjunktur befindet sich im Aufwind, und die Politik des leichten Geldes (Aufweichung des Stabilitätspaktes) birgt Inflationspotenzial mit impliziten Renditezuwächsen.
Es gibt mittlerweile jede Menge Adressen, die von sich aus Spitzenrenditen (aus heutiger Sicht) zwischen drei und dreieinhalb Prozent anbieten, für zwölf Monate beispielsweise. Hier ist allerdings ziemlich Vorsicht geboten. Wenn die Bonität der Adresse nicht geklärt ist, sind auch höhere Prozentsätze bestenfalls ein Schmerzensgeld für eventuelle Zitterpartien.
Außerdem ist bei bestimmten Adressen darauf zu achten, dass die Einlage nur bis zu einem Betrag von maximal 20 000 Euro je Anleger abgesichert ist, egal ob es sich im Einzelnen um die DenizBank, die Kocbank oder die GarantiBank handelt. Die als seriös geltende Sparda-Bank Berlin eG (Telefon: 0 30/42 08 04 20) lockt mit 2,5 Prozent auf ein Jahr, aber diesen Zinssatz müssten Sie eigentlich mit
unerschütterlichem Verhandlungsgeschick bei Ihrer Hausbank auch hinbekommen.
In Sachen Tagesgeld schießt das Wertpapierhaus Driver& Bengsch den Vogel (Telefon: 0 18 05/52 06 62) ab. Dort werden im Moment 3,5 Prozent
offeriert, allerdings dürfte zum Erscheinen dieses Beitrages die-
ser Satz leicht reduziert werden, weil Wertpapierhäuser nach eigenen Angaben von Anfragen regelrecht zugedeckt werden.
Was ist also zu tun? Der listige Renditefuchs parkt im Moment am besten sein Geld in Geldmarktfonds, oder er versucht eben, einen Zinssatz von 2,5 bis 2,6 Prozent für Tagesgeld auszuhandeln. Oder er kauft Floater. Was aber auf gar keinen Fall ansteht, ist, auf Koppelprodukte hereinzufallen, die es mittlerweile zuhauf gibt. Etwa derart, das Geld in zwei Hälften zu splitten und einen Teil als Festgeldkonto mit „optisch attraktiven“ Zinsen von vier Prozent anzulegen und für die andere Hälfte einen Investmentfonds zu kaufen. Wer nicht merkt, dass er den vermeintlich hohen Zins auf der einen Seite mit hohen Gebühren auf der anderen Seite selbst finanziert, hat es dann auch nicht anders verdient.
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