ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2003Klinikärzte: Ausgenutzt

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Klinikärzte: Ausgenutzt

Dtsch Arztebl 2003; 100(49): A-3197 / B-2661 / C-2485

Clade, Harald

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LNSLNS Viele Klinikärzte fühlen sich durch den anhaltenden Überstundenstress sowie durch unter- und nicht bezahlte Arbeit durch die Klinikarbeitgeber ausgenutzt. Den Skandal der Ausnutzung der Arbeitskraft von Klinikärzten dokumentiert jetzt auch eine Umfrage der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGC) e.V. Allerdings: Ein Silberstreif ist am Horizont: Viele bauen auf die immateriellen Verbesserungen durch das novellierte Arbeitszeitgesetz, das am 1. Januar 2004 in Kraft tritt. Die Mehrheit der Betroffenen akzeptiert die darin verankerte Norm „Bereitschaftsdienst ist Arbeitszeit“.
Noch ist die Klinikärztewelt jedoch nicht in Ordnung. Das „Ende eines Traumberufs“ (so der Titel eines Bestsellers) kann nur abgewendet werden, wenn tatkräftige Abhilfemaßnahmen realisiert werden. Die Realität, zumindest der Chirurgen, unterstreicht die Umfrage: 73 Prozent der Klinikchirurgen erhalten bereits jetzt schon weniger Entgelt und Salär, als ihnen laut Tarifvertrag zusteht – und kaum jemand wehrt sich. 76 Prozent der Chirurgen gaben an, dass die dokumentierte Arbeitszeit nicht mit der effektiv geleisteten identisch ist. 44 Prozent fühlen sich von der Klinikleitung ständig unter Druck gesetzt, und zwar 56 Prozent von der Klinikverwaltung, 10 Prozent vom Klinikchef und vom Vorgesetzten sowie 17 Prozent sowohl vom Klinikchef als auch durch die Verwaltung. 79 Prozent monieren, dass das Arbeitszeitgesetz nicht eingehalten wird und immer mehr Verstöße auftraten – ohne dass die Aufsichtsbehörden und die Politik eingegriffen hätten. 38 Prozent arbeiteten regelmäßig nach einem vollbrachten Bereitschaftsdienst ununterbrochen weiter. 27 Prozent berichteten, sie könnten nach einem Bereitschaftsdienst „manchmal“ nach Hause gehen. 60 Prozent urteilten: „Ich habe nie Überstunden bezahlt bekommen.“ Vier Prozent spüren bereits die Wirkungen des novellierten Arbeitszeitgesetzes – sie bekommen keinerlei Überstunden mehr bezahlt. Neun Prozent wissen, dass sie wegen der Umsetzung des Gesetzes weniger als bisher an Überstunden bezahlt erhalten. Zwölf Prozent befürchten, dass dies wohl mit einer Kürzung der Vergütungen einhergehen wird. Dr. rer. pol. Harald Clade
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