ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2003Kassenärztliche Vereinigungen: Nachwuchs soll es richten

SEITE EINS

Kassenärztliche Vereinigungen: Nachwuchs soll es richten

Dtsch Arztebl 2003; 100(49): A-3197 / B-2661 / C-2485

Rieser, Sabine

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Unerfüllter Kinderwunsch – das ist eigentlich etwas, was Paare plagt, nicht aber Körperschaften des öffentlichen Rechts. Und doch ist bei mancher Kassenärztlichen Vereinigung (KV) in der letzten Zeit die Sehnsucht nach Nachwuchs unverkennbar. „Wir sollten uns eine rechtlich unabhängige Tochter gönnen“, befand der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und der KV Berlin, Dr. med. Manfred Richter-Reichhelm. KBV-Vize Dr. med. Leonhard Hansen, zugleich Kopf der KV Nordrhein, sieht das genauso. „Vertragsärzte brauchen eine KV-Consult“, betonte er bereits mehrfach. In Zukunft könnte es also parallel zu den KVen und zur KBV solche Beratungsgesellschaften geben.
Die Vertragsärzte brauchen nach Meinung von Richter-Reichhelm und Hansen Unterstützung, um die eigenen Interessen zu wahren, wenn sie Patienten in Zukunft in komplexeren Anbieterstrukturen qualitätsgesichert versorgen wollen. Mit weiteren Disease-Management-Programmen, neuartigen Einzelverträgen und möglicherweise vielgestaltigen Formen der Integrierten Versorgung werden die Anforderungen an den einzelnen Arzt wachsen. Die KVen werden dabei nur noch begrenzt eine Hilfe sein können. Richter-Reichhelm wies darauf hin, dass ihr Einfluss durch das GKV-Modernisierungsgesetz reduziert wird: „Es werden Direktverträge völlig ohne KV im Rahmen der Integrierten Versorgung möglich.“
Mit dem Einfluss werden die Einnahmen schrumpfen und mittelfristig das Personal. Gleichzeitig werden Vertragsärzte Informationen über Chancen und Risiken neuer Versorgungssysteme benötigen. Dies könnten eigenständige Töchter nach übereinstimmender Auffassung von Richter-Reichhelm und Hansen sehr gut leisten – gegen Bezahlung, versteht sich. Zusätzlich könnten sie Marktanalysen erstellen, über Gesellschaftsformen und Vertragsmuster beraten, im Auftrag Verhandlungen mit Krankenkassen führen.
Ärzte, die sich bisher in KV-Parallelorganisationen wie Medi oder Genossenschaften engagiert haben, kritisieren allerdings die geplante Konkurrenz. Fraglich ist zudem, ob Ärzte, die zu neuen Versorgungsufern aufbrechen, die alten Berater mitnehmen wollen. Und wer glaubt, dass sich KV-Mütter und Consult-Töchter stets optimal ergänzen und sich nicht etwa heftig Konkurrenz machen, der sollte vor solchen Neugründungen noch einmal einen Blick auf die eigene Familie werfen. Sabine Rieser
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema