ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2003Pflegepersonal: Ausbildung zu theorielastig

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Pflegepersonal: Ausbildung zu theorielastig

Dtsch Arztebl 2003; 100(49): A-3201 / B-2665 / C-2489

Clade, Harald

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Krankenpflegeschüler und -schülerinnen sind künftig zu mehr als 60 Prozent nicht mehr im Ausbildungsbetrieb anwesend. Foto: Caro
Krankenpflegeschüler und -schülerinnen sind künftig zu mehr als 60 Prozent nicht mehr im Ausbildungsbetrieb anwesend. Foto: Caro
Krankenhausdirektoren befürchten neuen Pflegepersonalnotstand.
Einen Personalmangel bei den Fachkräften der Pflege in Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen befürchtet der Verband der Krankenhausdirektoren Deutschlands, Landesgruppe Schleswig-Holstein, falls die im neuen Krankenpflegegesetz verankerte Theorielastigkeit in der Praxis Platz greifen sollte. In einer Umfrage unter 38 Schulen für Krankenpflege und Kinderkrankenpflege in Schleswig-Holstein erklärten die Schulleiter, dass 30 Prozent der Krankenhäuser ihre Ausbildungskapazitäten verringern beziehungsweise die Ausbildungsverpflichtung ganz aufgeben und Pflegeschulen schließen würden.
Als besonders heikel für alle Ausbildungsbetriebe wird die Erhöhung der Ausbildungseinheiten von 1 600 auf 2 100 Stunden bezeichnet. Außerhalb der Krankenhäuser würden darüber hinaus nochmals 500 Stunden Ausbildungseinsätze im ambulanten Pflegebereich abverlangt. Dies hätte zur Folge, dass künftig ein Auszubildender zu mehr als 60 Prozent nicht mehr im Ausbildungsbetrieb anwesend sei. Gleichzeitig müssten die ausbildenden Betriebe hohe Ausbildungsvergütungen zahlen, ohne dass eine Leistung gegenüberstünde. Der Krankenhausdirektorenverband in Schleswig-Holstein veranschlagt die Mehrkosten auf rund zehn Millionen Euro pro Jahr, von denen nicht einmal die Hälfte durch die Krankenkassen gedeckt würde.
Inzwischen ist die Arbeitsplatzchance für Krankenpflegeschüler und -schülerinnen nach bestandenem Abschlussexamen schlechter geworden. Lag die Einstellungsquote im Jahr 2000 noch bei rund 50 Prozent, so wird heute nur noch jede fünfte Auszubildende in ein Arbeitsverhältnis vor allem an Krankenhäusern übernommen. Der Verband prognostiziert, dass es im Pflegedienst in den nächsten drei bis fünf Jahren einen gravierenden Mangel an qualifizierten Arbeitskräften geben wird. HC
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