ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2003Suchtmedizin: Vergessene Mehrheit

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Suchtmedizin: Vergessene Mehrheit

Dtsch Arztebl 2003; 100(49): A-3202

Richter-Kuhlmann, Eva

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Methadon-Substitution: Die wenigsten Abhängigen werden in speziellen Ambulanzen oder Suchtabteilungen versorgt. Foto: dpa
Methadon-Substitution: Die wenigsten Abhängigen werden in speziellen Ambulanzen oder Suchtabteilungen versorgt. Foto: dpa
Suchtpatienten werden meist von Hausärzten behandelt.

Suchtmedizin finde zu einem großen Teil jenseits des psychiatrischen Versorgungssystems statt, kritisierte Dr. Jörg Gölz, erster Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Suchtmedizin (DGDS) anlässlich des 12. Kongresses der Gesellschaft vom 7. bis 9. November in Berlin. Der Allgemeinmediziner wies darauf hin, dass Suchtpatienten hauptsächlich durch Hausärzte und Internisten statt durch suchtmedizinisch ausgebildete Psychiater behandelt würden. Die DGDS fordert deshalb eine entsprechende Fortbildung für Nicht-Psychiater sowie eine Berücksichtigung des zeitlichen Aufwands bei der Honorierung.
In der Tat ist der Anteil der hausärztlich behandelten Suchtpatienten hoch: Beispielsweise 50 000 Heroinabhängige befänden sich dort in ambulanter Substitutionsbehandlung, berichtet Gölz. Nur 5 000 Abhängige würden in spezialisierten Suchtabteilungen substituiert. Auch im stationären Bereich seien es hauptsächlich die Internisten und Chirurgen, die sich mit der Suchterkrankung der Patienten auseinander setzen müssten. So würden beispielsweise mehr Alkoholentzüge auf internistischen und chirurgischen Akutabteilungen vorgenommen als in psychiatrischen Entzugsabteilungen. In Haftkrankenhäusern, wo durchschnittlich 60 Prozent der Inhaftierten eine Suchterkrankung aufweisen, gebe es ebenfalls meist nur internistische Abteilungen. ER
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