Supplement: Reisemagazin

Alberta: Unter gleißenden Gipfeln

Dtsch Arztebl 2003; 100(49): [15]

Hamberger, Rainer W.

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Helikopterski bei Whistler Fotos: Rainer W. Hamberger
Helikopterski bei Whistler Fotos: Rainer W. Hamberger
Banff, Lake Louise und Jasper in Alberta gehören neben Whistler in Britisch Kolumbien zu den vielseitigsten Wintersportorten in Westkanada. Zunächst bietet die etwas über 1 000 Meter hoch gelegene Präriestadt Calgary als Ankunftsort eine interessante Einstimmung auf den „Wilden Westen“ des zweitgrößten Staates der Erde. Während hier der Präriewind viele Hügel vom lockeren Schnee befreit hat, empfängt uns schon bei Canmore am Fuß der Berge zwischen den ersten Dreitausendern eine Winterlandschaft. Wolkenfetzen hängen im Windschatten der Gipfel. Über höheren Kämmen sehen wir Fahnen von Pulverschnee, vom Höhenwind immer in Bewegung gehalten.
Winterland Lake Louise
Fast schnurgerade führt die Straße entlang des Bow-Rivers nach Nordwesten. Raureif und Schneehauben überziehen die Tannen beiderseits des Highways. Aus dem Wasser des Flusses unterhalb der Trasse dampft es. Selbst bei –20 Grad Celsius friert er nur in strömungsarmen Schleifen zu. Die tiefen Temperaturen ermöglichen in jedem Fall die Produktion von Kunstschnee, sollte der Winter einmal zu trocken sein. Meist wechseln Schneefalltage mit tiefblauem Winterhimmel und gleißendem Sonnenlicht. Nach kurzer Fahrt gelangen wir zur Abzweigung Lake Louise. Der etwas abseits der Verkehrsachse gelegene Wintersportort ist Austragungsort für internationale Skirennen. Doch zunächst wollen wir uns den zugefrorenen See ansehen. Blendendweiß liegt die schneebedeckte Wasserfläche vor einem gewaltigen Panorama. Wie Eisnadeln ragen mit Schnee verhüllte Baumspitzen in die frostige Winterluft. Gegenüber: die vom Victoriagletscher überzogene Ostwand der Rocky Mountains. Wie ein Amphitheater umschließen die Berge das Talende. Auf vom Schnee freigehaltenen Eisflächen ziehen Schlittschuhläufer ihre Kreise. Am nächsten Morgen, als die ersten Sonnenstrahlen das Winterwunderland in zartes Rosa tauchen, planen wir, während des hellen Vormittags an der Half-Pipe den Snowboardern zuzusehen. Für die nächsten Nächte haben wir ein Zimmer im bereits 1890 erbauten Hotel Chateau Lake Louise reserviert. Dabei geht es uns hier vor allem um die spektakuläre Aussicht bei wechselndem Tageslicht auf die vereisten Rockys und um einen Besuch der Kunstgalerien in diesem weltbekannten Haus. Zu bewundern gibt es eine Auswahl von Specksteinschnitzereien kanadischer Inuit. Icefield Parkway nennt sich die etwa 230 Kilometer lange Straßenführung von Banff zum nächsten Wintersportziel Jasper. Selbst im Sommer gibt es an vielen Aussichtspunkten genügend Eis von Gletschern zu sehen. Kleine Wasserfälle sind jetzt gefroren, Eisnebel schweben über Senken im Gelände, als wir nach einer aussichtsreichen Tagesfahrt in Jasper ankommen. Der Ferienort im Nationalpark breitet sich in einem weiten Talkessel aus.
Hundeschlittentouren
Hundeschlittentour im Spätwinter
Hundeschlittentour im Spätwinter
Viele Wintersportgäste reisen auch von der weiter östlich gelegenen Hauptstadt Albertas, von Edmonton, nach Jasper. Hier vertrauen wir uns einem Hundeschlittenführer an. Die Huskys jaulen, springen und zerren so an ihren Leinen, dass es uns ein Rätsel bleibt, wie es dem Musher gelingt, sie geordnet in ein Gespann zu organisieren. Schnell lernen wir die Bremse als wichtigstes Instrument jedes Schlittens schätzen, denn die trainierten Tiere wollen vorwärts um jeden Preis. Sollte es zu kalt werden, spricht nichts dagegen, von den Kufen abzusteigen und eine Strecke mitzulaufen, wobei die Hände natürlich immer am Schlitten verbleiben. Am Rastplatz hat bereits jemand ein Holzfeuer im Schnee vorbereitet. Im rußgeschwärzten Kaffeekessel blubbert es und duftet verlockend. Der Musher demonstriert das breitbeinige Gehen auf Schneeschuhen, den tellergroßen Instrumenten mit einem Rahmen aus Weidenholz und dem Geflecht aus ungegerbtem Leder. Es verhindert das Einsinken beim Wandern im Tiefschnee. Wir versuchen uns auch in dieser Fortbewegungsart, doch denken wir dabei bereits an die abendliche Entspannung bei einem zünftigem Steak. Rainer W. Hamberger

Reise-Tipps: Die Lufthansa fliegt täglich von Deutschland im Gemeinschaftsdienst mit Air Canada nonstop nach Calgary. Saisoneröffnung ist Ende November. Spezielle Angebote bietet zum Beispiel Dertour, weitere Auskünfte unter www.dertour.de beziehungsweise per Telefon: 0 69/95 88 00. Allgemeine Informationen über Kanada sind erhältlich bei Lange Touristik-Dienst, Postfach 20 02 47, 63469 Maintal, Telefon: 0 18 05/52 62 32, oder unter www.travelcanada.ca
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