ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2003Niereninsuffizienz: Unterschätzte Gefahr

POLITIK: Medizinreport

Niereninsuffizienz: Unterschätzte Gefahr

Dtsch Arztebl 2003; 100(49): A-3216 / B-2676 / C-2500

Jehle, Peter Michael

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LNSLNS Nephrologen streben enge Kooperation mit Allgemeinärzten an, um die Zahl der Dialysepatienten zu senken.
Mehr als 57 000 Patienten sind in Deutschland dialysepflichtig; ihre Zahl steigt jedes Jahr um gut fünf Prozent. Für die Betroffenen bedeutet dies eine geringere Lebenserwartung infolge kardiovaskulärer Folgeerkrankungen – wie Herzinsuffizienz, koronare Herzkrankheit und/ oder zerebrovaskuläre Durchblutungsstörungen. Dieses Risiko wird durch Hypertonie und renale Anämie erheblich gesteigert.
Durch frühzeitige Diagnose und Behandlung könnte die Lebensqualität der Patienten verbessert und ihnen die Dialysebehandlung erspart werden, betont die Expertengruppe „Renale Osteopathie“ in einem Positionspapier.
Zu den Anzeichen, die auf die Entwicklung einer Niereninsuffizienz hinweisen können, gehören:

- Fortbestehende Hypertonie über zwei Quartale
- Mikroalbuminurie
- Proteinurie
- Erhöhter Serumkreatininspiegel
- Anämie.
Auch Erkrankungen des Knochenstoffwechsels treten schon im Frühstadium der Niereninsuffizienz auf. Diese renale Osteopathie wird durch nachlassende Produktion von aktivem Vitamin D in den Nieren, Hyperphosphatämie und metabolische Azidose verursacht. Alle drei Faktoren entwickeln sich bereits in den frühen Stadien der Erkrankung, ohne dass die Betroffenen davon Kenntnis haben. Mit der Zeit aber führen die pathologischen Veränderungen des Mineralstoffwechsels zu einer Demineralisierung des Knochens sowie zu einer Verkalkung der Gefäße und Herzklappen. Betroffen sind vor allem Patienten älter als 50 Jahre, Diabetiker und Hypertoniker.
Der Nephrologe wird bei niereninsuffizienten Patienten folgende therapeutische Maßnahmen empfehlen beziehungsweise durchführen:
- Blutdrucknormalisierung mit dem Zielblutdruck < 120/70 respektive 125/75 mm Hg (nach NKF, ADA und Joint National Committee) – unter anderem durch Gabe von ACE-Hemmern oder Angiotensin-Rezeptorblockern;
- Optimierung der Blutzuckereinstellung bei Diabetikern und Überprüfung der Ernährungsgewohnheiten;
- Prävention von kardiovaskulärer Morbidität und Mortalität (ACE-Hemmer, Betablocker, Statine und Thrombozytenaggregationshemmer);
- Therapie der renalen Osteopathie durch Ausgleich eines Mangels an nativem und aktivem Vitamin D, Vermeidung der Hyperphosphatämie;
- Therapie der renalen Anämie durch Erythropoetin-Substitution;
- Pufferung einer metabolischen Azidose.
Neben der fachärztlichen Behandlung benötigen die Patienten eine kontinuierliche hausärztliche Betreuung. Hierbei besteht möglicherweise Abstimmungsbedarf zwischen beiden Fachrichtungen, denn es kann sein, dass der Nephrologe eine kostspielige Therapie einleiten muss (zum Beispiel mit aktivem Vitamin D, neuen Antihypertensiva, Statinen oder Erythropoetin), die von Allgemeinärzten und Internisten nicht abgesetzt werden sollte – zumal die Weiterverordnung dieser Medikamente fachärztlich begründet ist und durch den Nephrologen erfolgen kann.

Für die Expertengruppe Renale Osteopathie:
Priv.-Doz. Dr. med. Peter Michael Jehle
Paul-Gerhardt-Stifung
Evangelisches Krankenhaus und
Akademisches Lehrkrankenhaus
Paul-Gerhardt-Straße 42–45
06886 Lutherstadt Wittenberg

Expertengruppe Renale Osteopathie:
Priv.-Doz. Dr. med. Heinz Jürgen Deuber, Dr. med. Kai Hahn, Prof. Dr. med. Rüdiger Landgraf, Dr. med. Adrian Mondry, Prof. Dr. Johannes Pfeilschifter, Dr. Wolfgang Piehlmeier, Dr. med. Rolf Renner, Prof. Dr. med. Werner Riegel, Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Eberhard Ritz, Dr. med. Stephan Scharla, Prof. Dr. Günter Stein

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