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Nachgefragt

Dtsch Arztebl 2003; 100(49): A-3220 / B-2679 / C-2503

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Dr. Arend Oetker ist Präsident des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft Foto: J. H. Darchinger
Dr. Arend Oetker ist Präsident des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft Foto: J. H. Darchinger
DÄ: Unter dem Motto: „Wir machen die Wissenschaft fit für Europa“ engagiert sich der Stifterverband für die Internationalisierung der deutschen Forschung. Welche Hürden sehen Sie?
Dr. Oetker: Wissenschaft, Politik und Wirtschaft müssen sich stärker als bisher gemeinsam für eine Weiterentwicklung des deutschen Wissenschafts- und Hochschulsystems im Sinne der europäischen Ziele engagieren. Der Stifterverband drängt bei der Einführung der neuen Abschlüsse Bachelor und Master, intensiver auf eine Standardisierung und wirkliche internationale Vergleichbarkeit der Curricula hinzuarbeiten. Momentan gibt es zu viel Parallelität von Abschlüssen an deutschen Hochschulen. Das schadet im internationalen Wettbewerb eher, als dass es nutze.

DÄ: Wird Deutschland bei der Aufholjagd Europas zum „Weltmeister“ der Wissenschaften mithalten können?
Dr. Oetker: Die Bundesregierung hat zwar erkannt, dass die Arbeitsplätze von morgen in Wissenschaft und Forschung liegen, allerdings nimmt ihr Engagament dafür ab. Während der Anteil der Wirtschaft an den Aufwendungen für Forschung und Entwicklung in den vergangenen Jahren von 63 auf 68 Prozent gestiegen ist, ist der Anteil des Staates von 37 auf 32 Prozent gesunken. Schlimmer aber ist, dass er sich aus seiner ureigensten Aufgabe, der Finanzierung der Grundlagenforschung, zurückzieht, indem er die Ressourcen der großen Wissenschaftsorganisationen real einfriert.

DÄ: Welches Signal sähen Sie gerne – trotz Finanzkrise im Bundeshaushalt?
Dr. Oetker: Sowohl die Industrie als auch die öffentliche Hand tun, was sie bei jeder wirtschaftlichen Krise immer wieder tun, zugleich aber lauthals beklagen: Sie sparen prozyklisch an Zukunftsinvestitionen, anstatt antizyklisch in Forschung und Entwicklung zu investieren. Gerade die Politik sollte Zeichen setzen und dieser Entwicklung gegensteuern, doch die Landesetats für Forschung schrumpfen, und Bun­des­for­schungs­minis­terin Bulmahn kürzt Forschungs- und Entwicklungsprogramme in ihrem Haushalt. Im Vergleich zu anderen europäischen Staaten steht Deutschland noch gut da: Doch die eigentlichen Vergleichsgrößen sind die USA und Japan – da fällt Deutschland zurück.
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