ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2003Oxycodon: Schlussfolgerung auf tönernen Füßen
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LNSLNS Die Schlussfolgerungen der AMK zur Schmerztherapie bei Abhängigen (Erhöhung der Methadondosis, NSAID sowie „lokale Anästhetika“) stehen auf tönernen Füßen. Tumorbedingte Schmerzen verlangen den großzügigen Einsatz starker Opioide, legitim auch in hohen Dosierungen. Methadon ist nicht Opioid der Wahl (Analgesiedauer sechs bis zwölf Stunden vs. Eliminations-T1/2 ein bis zwei Tage), denn hohe Dosierungen steigern in Relation zu besser steuerbaren Retardopioiden das Risiko zu Kardiotoxizität (AMK 2002) und Atemdepression. Nicht-tumorbedingte Schmerzen sind ohnehin nur bei einer Minderheit erfolgreich mit Opioiden behandelbar (Maier 2002). Algesiologische Fachgesellschaften fordern daher restriktive Opioidindikationen und Therapiekontrollen u. a. zur Diagnose von Missbrauch (Sorgatz 2002, Kalso 2003). Abhängigkeit ist ein Prädiktor für mangelnden Therapieerfolg und schränkt die Indikation zur Opioidanalgesie weiter ein. Therapie bei Abhängigen allein mit Methadon, NSAID und Lokalanästhetika ist unidimensional, nicht mehr zeitgemäß, risikoreich und iatrogen schädigend (Koyanou 1997, Sipos 2000, Wambach 2001). Interdisziplinarität und gründliche Evaluation der Opioidindikation sind gefragt. Fehlindizierte Verschreibungen (Davis 2003) bergen die Gefahr des (tödlichen) Missbrauchs und illegalen Verkaufs an Dritte in sich – beschrieben auch für Methadon und weitere Opioide.
Prof. Dr. Jürgen Jage,
Klinik für Anästhesiologie, Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Langenbeckstraße 1, 55131 Mainz
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