ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2003Oxycodon: Konstruktive Hinweise
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LNSLNS Die Ausführungen und konstruktiven Hinweise von Herrn Prof. Jage habe ich mit großem Interesse zur Kenntnis genommen. Sie unterscheiden sich wohltuend von manchen anderen polemischen und unsachlichen Kommentaren zu unserem Warnhinweis bezüglich potenzieller Risiken durch Missbrauch der retardierten Oxycodon-Zubereitung. Kurz kommentieren möchte ich folgende Details:
- Eine vollständige Beschreibung aller Möglichkeiten der Schmerztherapie bei Substituierten wurde von uns nicht angestrebt. Die gegebenen Hinweise enthalten auch das Risiko analgetischer Überversorgung durch Erhöhung der Methadon-Dosis. Die Halbwertszeit von Methadon ist außerordentlich variabel, und mit einer Erhöhung der Dosis kann durch Kumulation auch bei einem toleranten Substituierten ein toxischer Spiegel zustande kommen.
- Die Unterscheidung zwischen tumorbedingten und nicht-tumorbedingten Schmerzen ist bei Substituierten noch nicht wichtig, da bei diesen Malignome noch sehr selten sind. Die sehr häufigen Schmerzzustände sind praktisch immer nicht-tumorbedingt.
- Die Mitteilung der AkdÄ wies auf eine in den USA häufige, in Deutschland aber noch nicht relevante Praxis von Drogenabhängigen hin, das retardierte Oxycodon mit geringem Abhängigkeitspotenzial in ein i.v. injizierbares Präparat mit hoher Toxizität und hohem Abhängigkeitspotenzial umzuwandeln. Daher kann dieses Präparat eben nicht einschränkungslos bei Patienten mit psychischer Abhängigkeit verwendet werden. Die Einschränkung beinhaltet zum einen die bei Substituierten erforderliche höhere Opioid-Dosis, zum anderen die Möglichkeit des Abzweigens in missbräuchliche Bahnen zum Selbst- oder Fremdkonsum. Die Schmerztherapie muss diese Möglichkeiten berücksichtigen, schon um den analgetischen Effekt diesen Patienten konstant zu ermöglichen.
- Die Schwierigkeiten des Umgangs mit Methadon bzw. Levomethadon als Schmerzmittel (pharmakokinetische Besonderheiten und QT-Zeit-Verlängerung) sind der AkdÄ bekannt.
Der Brief von Prof. Jage stellt eine wichtige Ergänzung und Korrektur unseres Textes dar. Insbesondere danken wir für den Hinweis auf die somatoforme Schmerzstörung.
Prof. Dr. med. Bruno Müller-Oerlinghausen,
Vorsitzender der Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft
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