ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2003Marketing: Christliches Weltbild vermisst

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Marketing: Christliches Weltbild vermisst

Dtsch Arztebl 2003; 100(49): A-3230 / B-2686 / C-2510

Zander-Linden, Katja

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LNSLNS Ich frage mich, ob der Kollege Holtel schon mal von Utopia oder Futurum zwei gehört hat. Ein schönes Wunschbild mag sein Entwurf sein, hat aber meiner Erfahrung nach wenig mit der Realität zu tun. Ich sehe vielmehr die Gefahr des Missbrauchs des Christentums als PR-Strategie mit der Täuschung von Patienten und Mitarbeitern.
Ich arbeitete selbst als Ärztin in einem katholischen Klinikum, welches kürzlich „fusioniert“ ist und nun mit seinem „Christlichen Gütesiegel“ wirbt. Selber habe ich mich in den Jahren meiner Beschäftigung der christlichen Leitlinie verbunden gefühlt und meinen Umgang mit Patienten und Kollegen dahingehend gestaltet. Leider konnte ich das Gegenteil der „wertgebundenen Personalentwicklung“ nicht erfahren. Im Gegenteil, als Mutter eines einjährigen Sohnes in der Elternzeit wollte ich, wie zuvor abgesprochen, eine Teilzeittätigkeit von 19,25 Stunden wieder aufnehmen. Da die Erkrankung meines Sohnes eine besondere Ernährung und Betreuung erfordert, habe ich um die Zusage relativ fester Arbeitszeiten und Nachtdienste gebeten. Aus diesem Grund wurde mir die Beschäftigung versagt, da der zuständige Personalleiter meinte, „da könnte ja jeder kommen, er schaffe hier keine Präzedenzfälle“.
Ich frage mich ernsthaft, wie es sich mit einem christlichen Gütesiegel vereinbaren lässt, eine gediente Mitarbeiterin mit kleinem Kind, die auf die Beschäftigung angewiesen ist, aus mir nicht nachvollziehbaren Gründen in eine soziale Notlage zu bringen. Erstaunen tut mich auch, dass trotz der Information der Generaloberin und anderer Leitungspersonen sich niemand bereit fand, sich für mich einzusetzen. Ach so – um das noch zu erwähnen, die personelle Situation im ärztlichen Kreis ist eher eng, meine Mitarbeit wäre der Patientenbetreuung sicherlich zugute gekommen. Hiermit wurde vonseiten der Personalleitung argumentiert, feste Arbeitszeiten seien nicht möglich, an erster Stelle stehe schließlich die Patientenversorgung. Das soll dann mal einer verstehen. Ich erlebe das als verlogene Doppelzüngigkeit und vermisse jede Form eines christlichen Weltbildes. Ganz ehrlich, Herr Kollege, sollte man nicht mit den Werten werben, die man auch selber bereit ist zu halten?
Dr. med. Katja Zander-Linden, Ringstraße 74, 53225 Bonn
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