ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2003Überstunden: Widrigkeiten

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Überstunden: Widrigkeiten

Dtsch Arztebl 2003; 100(49): A-3231 / B-2688 / C-2511

Ebid, Rainer

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Foto: Peter Wirtz
Foto: Peter Wirtz
. . . Meinen Beitrag bezüglich des Urteils über das Arbeitszeitgesetz kann ich leider nur auf die folgende Weise ganz vorsichtig formulieren. Es soll Kliniken geben, in denen doppelte Listenführung vorkommt. Die Liste ohne Überstunden für das Gewerbeaufsichtsamt, die Liste mit Überstunden für die hausinterne Verwaltung. Die in Freizeit zu erstattenden Überstunden verfallen, da sie wegen Personalmangels nicht genommen werden können, die Ausbezahlung ist aus Budgetgründen unmöglich. Teilweise werden Überstundenzettel nur mit den kontingentierten sechs bis zwölf Überstunden pro Monat unterschrieben. Somit löst sich das Überstundenproblem von selbst. Der Schrei nach ärztlichem Personal wäre bei weniger „Burn-out-Fällen“ und vorhandener Ausbildung sicherlich nicht so laut.
Ein weiteres Thema, das mir schon lange auf den Nägeln brennt, möchte ich hier gleich anschließen. Nach sechs Versuchen (vier davon unten exemplarisch dargestellt) und sechs Jahren Investitionszeit ohne Promotion dazustehen, bezeichnet die Schwierigkeit der wissenschaftlichen Arbeit hierzulande. Ein Kollege aus einem ebenfalls operativen Fach schilderte mir die Situation in den USA bei seiner Habilitationsarbeit, die vollkommen anders war.
Nach dem Vortrag der Resultate auf einem internationalen Kongress war meine erste Arbeit doch zu „dünn“. Ähnliches erfuhr ich von einem Kollegen, mit dem ich zwei Jahre lang zusammengearbeitet habe. Eine weitere Arbeit war nach vier investierten Jahren, der Entwicklung eines Gerätes und Resultaten, die tatsächlich klinische Anwendung finden können, so weit, dass ich drei Adressen bekam, von Doktorvätern, die sich eingehend mit Themen, die damit verwandt sein könnten, befasst haben. Nach einem halben Jahr Arbeit stellte sich bei einer weiteren Arbeit heraus, dass es doch eine rein nachrichtentechnische sein sollte. Zu meiner Zeit wurde in keinem der medizinischen Studiengänge Nachrichtentechnologie unterrichtet. Bei einer weiteren Arbeit wurde zunächst der praktische Teil monatelang durch einen eigens für die Technik vorhandenen Betreuer verschleppt. Der theoretische Teil kam nicht zum Abschluss, da wie sich nach sechs Monaten Suche rausstellte, entscheidende Artikel der eingeforderten Literatur, statt in der einzigen hier verfügbaren Quelle, bei meinem Doktorvater waren.
Nun bin ich mit den Widrigkeiten bei Weiterbildung und Forschung mit Sicherheit nur einer von Tausenden. Das ist eine schlechte Nutzung der Ressourcen (Forschung als Zeitverschwendung; Fehleinsatz und bewusste kräftemäßige Zerstörung der Assistenten). Ohne Uni im Hintergrund erstreckt sich die Forschungstätigkeit (die im Grunde spannend ist und viel Freude macht) nur noch auf funktionelle Analysen, die nur äußerst selten auf Kongressen platziert werden können.
Rainer Ebid, Eichenstraße 3, 82024 Taufkirchen
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