ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2003Sprachstörungen – Phänomenologie, Diagnostik und Therapie der Aphasie

BÜCHER

Sprachstörungen – Phänomenologie, Diagnostik und Therapie der Aphasie

Dtsch Arztebl 2003; 100(49): A-3233

Kessler, Josef; Kalbe, Elke; Heiss, Wolf-Dieter

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Aphasie
Wissenschaftlich fundiert
Josef Kessler, Elke Kalbe, Wolf-Dieter Heiss (Hrsg.): Sprachstörungen – Phänomenologie, Diagnostik und Therapie der Aphasie. UNI-MED Verlag, Bremen, 2003, 112 Seiten, 42 Abbildungen, 44,80 €
Das Buch gliedert sich in drei recht umfangreiche Kapitel: „Beschreibung der Aphasien“, „Lokalisation der Sprache und ihrer Störungen“ und schließlich „Verlauf, Diagnose und Therapie der Aphasien“. Dabei nimmt das zweite Kapitel nicht nur von der Buchgliederung her, sondern auch thematisch eine zentrale Stellung ein. Hier beeindrucken die umfassenden und fundierten Kenntnisse zu heutigen bildgebenden Verfahren in der funktionellen Lokalisation der Sprache, die zu einem Großteil auf Forschungen des Max-Planck-Instituts zu Köln basieren. Von Vorteil ist, dass die Forschungsergebnisse in einen wissenschaftlichen Kontext gestellt und diskutiert werden, wodurch dem Leser ein informationsreicher Überblick über die komplexe Thematik der funktionellen Bildgebung ermöglicht wird. Selbst die Problematisierung der Sprachrepräsentation bei Bilingualen und Frauen wie Männern bleibt nicht unberücksichtigt.
Die thematische Struktur des ersten Kapitels belegt eine erfreulicherweise besondere Gewichtung der symptom- und, daraus erwachsend, modellorientierten Aphasiologie; aber auch die psychosozialen Folgen einer Aphasie werden hier ebenso wenig außer Acht gelassen wie mit der Aphasie nicht selten assoziierte Störungen (Dysarthrien, Sprechapraxien, neuropsychologische Defizite sowie potenzielle Fahrtauglichkeitsprobleme). In diesem Kapitel leidet allerdings stellenweise ein wenig die Lesbarkeit, sodass hier eine stringentere thematische Gliederung wünschenswert gewesen wäre. Wissenschaftlich anspruchsvoll ist das letzte Kapitel, in dem die Autoren ausführlich die Bedingungen und aktuellen Erkenntnisse im Bereich neuronaler Plastizität in gestörten sprachlichen Netzwerken diskutieren. Abschließend werden in einer Art Synopse die Vor- und Nachteile verschiedener Aphasietests detailliert beschrieben. Bemerkenswert ist, dass auch der Erwähnung unterschiedlicher Formen der Aphasietherapie ein breiter Raum gegeben wird. Auch wenn in den letzten Jahren eine Reihe wichtiger Monographien zum Thema Aphasie erschienen ist, schließt das Buch eine Lücke, besonders durch die gelungene Betrachtung der Aphasie aus neurolinguistischer, neuropsychologischer und neurologischer Sicht. Walter Widdig
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