ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2003Versorgung des akut verwirrten alten Menschen – eine interdisziplinäre Aufgabe Akutbehandlung?

MEDIZIN: Diskussion

Versorgung des akut verwirrten alten Menschen – eine interdisziplinäre Aufgabe Akutbehandlung?

Dtsch Arztebl 2003; 100(49): A-3253

Laux, Gerd

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Das Thema soll „grundsätzliche Überlegungen zur Versorgung von Patienten mit akuten Verwirrtheitszuständen“ abhandeln, wobei der Begriff des „akuten Verwirrtheitszustandes“ Synonym zum Terminus „Delir“ verwendet wird. Während die Klinik sowie zu beachtende ätiopathogenetische Faktoren ausführlich dargestellt werden, bleiben die Ausführungen zur Behandlung dieser nicht selten dramatischen Krankheitsbilder dürftig und ergänzungsbedürftig. In den
im Textkasten wiedergegebenen Prinzipien des therapeutischen Umgangs mit akut verwirrten Patienten werden „vorbeugende Maßnahmen“ und allgemeine, akut nicht hilfreiche Maßnahmen („möglichst hohe Konstanz der Bezugspersonen“, „enger Kontakt zu Angehörigen“) wiedergegeben, andererseits keine Handlungsanweisungen zur „Regulierung des Schlaf-Wach-Rhythmus“. Vielmehr wird betont, dass möglichst keine Psychopharmaka eingesetzt werden sollten, wenn dann nur unter „rein symptomatischen Aspekten“. Dies ist praxisfern und inadäquat, vielmehr ist neben einer allgemeinen Therapie eine gezielte, differenzielle, ätiopathogenetisch orientierte Psychopharmakotherapie essenziell, erst recht wenn die akute Verwirrtheit synonym mit einem Delir abgehandelt wird. Kausal wirksame Medikamente liegen insgesamt nur wenige vor, Psychopharmaka sollten nicht wegen ihrer „rein symptomatischen Wirkung“ desavouiert werden. Wie an anderer Stelle ausführlich oder auch kompakt dargestellt, gehört der gezielte differenzialtherapeutische Einsatz eines Antipsychotikums, eines Benzodiazepins, von Carbamazepin und Clomethiazol zum Standard nicht durch Alkohol bedingter und erst recht durch Alkohol bedingter deli-
ranter Syndrome/Verwirrtheitszustände (1, 2, 3).

Literatur
1. Kurz A: Delir In: Möller HJ, Laux G, Kapfhammer HP eds.: Psychiatrie und Psychotherapie. Heidelberg: Springer, 2003; 941–964
2. Laux G: Notfallpsychiatrie. Fortschr Neurol Psychiat 2003; 71: 483–501.
3. Müller-Spahn F, Hoffmann-Richter U: Psychiatrische Notfälle. Kohlhammer: Stuttgart 2000

Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. Gerd Laux
Bezirksklinikum Gabersee
Fachkrankenhaus für Psychiatrie,
Psychotherapie und Neurologie
83512 Wasserburg am Inn

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.