ArchivDeutsches Ärzteblatt49/2003Osteoporose: Mikroarchitektur des Knochens erhalten

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Osteoporose: Mikroarchitektur des Knochens erhalten

Dtsch Arztebl 2003; 100(49): A-3260

Hoc, Siegfried

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Normale Knochenarchitektur
Normale Knochenarchitektur
Der für die Osteoporose charakteristische Verlust an Knochensubstanz macht keine spezifischen Beschwerden. Es wird jedoch die Mikroarchitektur des Knochens zerstört, wodurch er seine Festigkeit verliert. Dies lässt den Knochen auch bei moderater Belastung brechen. So werden Frakturen zu Spätkomplikationen der Osteoporose. Deshalb sollte bei jedem Patienten mit Knochenbruch jenseits des 50. Lebensj
durch Osteoporose zerstörte Knochenarchitektur (polarisationsmikroskopische Aufnahmen) Fotos: Prof. Dr. G. Delling
durch Osteoporose zerstörte Knochenarchitektur (polarisationsmikroskopische Aufnahmen) Fotos: Prof. Dr. G. Delling
ahres, auch wenn dieser durch einen Unfall geschah, eine osteologische Untersuchung durchgeführt werden.
Moderne Diagnoseverfahren haben den Nachweis osteoporotischer Knochenveränderungen sehr erleichtert und sicher gemacht. Am häufigsten eingesetzt wird die Zweienergie-Röntgenabsorptiometrie (DXA). Mit diesem Verfahren zur Knochendichtemessung werden vor allem die Lendenwirbel, Hüfte und proximaler Femur untersucht. Chemische Marker des Knochenstoffwechsels spielten dagegen in der Diagnostik eine untergeordnete Rolle, erklärte Prof. Manfred Fischer (Kassel) in Buchheim.
Mikroskopische Analyse von Stanzbiopsien
Nach der WHO-Definition liegt dann eine behandlungsbedürftige Osteoporose vor, wenn der DXA-Wert der Patienten 2,5 oder mehr Standardabweichungen unter dem Vergleichswert einer gesunden jungen Vergleichsgruppe liegt – auch wenn keine Fraktur nachgewiesen ist.
Das DXA-Verfahren zeigt aber nur die Knochendichte an, die von Mineralgehalt abhängig ist. Die für die Knochenfestigkeit ebenso wichtige Mikroarchitektur der Trabekel (Anzahl, Dicke, Abstand zueinander und Vernetzung) kann bislang nur an Stanzbiopsien mikroskopisch analysiert werden.
Zerstört wird die Mikroarchitektur des Knochens durch die ungebremste Aktivität der Osteoklasten. Diese knochenabbauenden Zellen werden durch Bisphosphonate in ihrer Resorptionstätigkeit weitgehend blockiert, die Knochenarchitektur dadurch geschützt. Aber auch die Knochen aufbauenden Osteoblasten werden durch Bisphosphonate in ihrer Aktivität gebremst, wodurch es zu einer generellen Knochenumbauhemmung kommt. Eine Langzeitbehandlung mit Bisphosphonaten könne daher Ursache von Ermüdungsfrakturen infolge Übermineralisierung der Knochensubstanz und einer Verschlechterung der Knochenqualität sein, erläuterte Dr. Stephan H. Scharla (Bad Reichenhall).
Selektive Östrogenrezeptor-Modulatoren (SERMs) wie Raloxifen (Optruma®) zeigen diesen Nachteil nicht. Sie bieten eine physiologische Hemmung des Knochenab- und -umbaus und verschlechtern die Knochenqualität auch dann nicht, wenn mit ihnen die Osteoporose über lange Zeit behandelt wird. Dabei bleibt die Reparatur von Mikrofrakturen erhalten, und es kommt nicht zu einer Anhäufung von Mikro- und Stressfrakturen wie unter Bisphosphonaten. Die Kristallstruktur und der Mineralisierungsgrad des Knochens und somit seine Elastizität blieben im physiologischen Bereich, betonte Scharla.
Die MORE-Studie (Multiple Outcome of Raloxifene Evaluation), in die mehr als 7 700 postmenopausale Frauen (Durchschnittsalter 67 Jahre) eingeschlossen waren und vier Jahre lang lief, belegte den positiven Effekt von Optruma auf die Osteoporose: Die tägliche Einnahme von 60 mg Reloxifen plus Calcium und Vitamin D senkte in der Verumgruppe gegenüber der Placebogruppe (nur Calcium und Vitamin D) das relative Risiko für klinisch relevante Frakturen bereits nach einem Jahr um 68 Prozent. Nach drei Jahren war das Risiko für Wirbelkörperfrakturen um 93 Prozent reduziert. Auch im vierten Behandlungsjahr war der Therapieeffekt noch voll vorhanden.
Dr. Peyman Hadji (Marburg) betonte, dass Raloxifen kein Hormon ist, aber an den Östrogenrezeptor bindet. Es entfaltet östrogenähnliche Effekte im Skelett- und Herz-Kreislauf-System, blockiert aber die Östrogenwirkung in Uterus- und Mammagewebe. Raloxifen reduziert die Inzidenz des invasiven Mammakarzinoms. Als unerwünschte Nebeneffekte kann Reloxifen Hitzewallungen und in noch selteneren Fällen Wadenkrämpfe induzieren. Als Kontraindikation gilt die venöse Thromboembolie. Siegfried Hoc

Fachpressegespräch der Firma Merckle „Gut gerüstet: Osteoporose eine Frage der Mikroarchitektur“ in Bernried
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