ArchivDeutsches Ärzteblatt PP12/2003Gesundheitsreform/Resolutionen: Forderungen kaum umgesetzt

EDITORIAL

Gesundheitsreform/Resolutionen: Forderungen kaum umgesetzt

Bühring, Petra

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LNSLNS Mit der Gesundheitsreform sind Auflagen verbunden, die den Praxisalltag der niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten verändern – und teilweise erschweren, wie beispielsweise die Verpflichtung, die Praxisgebühr einzuziehen. Abrechnungen an die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) können künftig nur noch elektronisch erfolgen – dafür müssen einige Psychotherapeuten möglicherweise einen neuen Computer kaufen und sich in ein Praxisverwaltungsprogramm einarbeiten. Langfristig wird sich die Umstellung auf EDV rentieren. Künftig wird eine regelmäßige Fortbildung obligatorisch. Die gesetzliche Verpflichtung zum praxisinternen Qualitätsmanagement und zur Dokumentation einer ergebnisorientierten Qualitätssicherung wird zusätzlich die Praxisroutine verändern.
Der Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK), Detlev Kommer, zog während des 2. Deutschen Psychotherapeutentags, Anfang November in Düsseldorf, eher eine „ernüchternde Bilanz“ des GKV-Modernisierungsgesetzes: Trotz zeitintensiver Verhandlungen mit Gesundheitspolitikern seien die Forderungen nach einem eigenständigen psychotherapeutischen Versorgungsbereich und nach Verankerung von mehr Mitbestimmung in den Vertreterversammlungen und Vorständen der KVen nicht berücksicht worden.
Kommer wies jedoch auch auf die Vorteile der Gesundheitsreform hin: Damit sei eine institutionelle Stärkung der Länderkammern und der BPtK verbunden. So wurden den Bundeskammern der Heilberufe in dem neuen Gemeinsamen Bundesausschuss generelle Anhörungsrechte bei allen Fragen eingeräumt, die die Berufsausübung betreffen. „Damit verbessern sich die Möglichkeiten der sozialrechtlichen Interessenvertretung der in Kliniken tätigen Kollegen ebenso wie für den Arbeitsausschuss, der für Psychotherapie-Richtlinien zuständig ist“, betonte der Präsident.
Die Delegierten der Landespsychotherapeutenkammern verabschiedeten in Düsseldorf zwei Resolutionen, die sich an die Politik und an die Selbstverwaltung richten: Sie fordern „wirksame Maßnahmen, um eine am tatsächlichen Behandlungsbedarf orientierte flächendekkende psychotherapeutische Versorgung sicherzustellen“. Außer in Großstädten gebe es kein angemessenes Therapieangebot, unzumutbare Wartezeiten führten zu Fehlverversorgung und Chronifizierungen. Besonders gravierend sei die Unterversorgung in der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie. Als Ursache sehen die Delegierten eine „defizitäre Bedarfsplanung“.
Die zweite Resolution wendet sich gegen die massiven Mittelkürzungen in mehreren Länderhaushalten bei psychosozialen Beratungsstellen. Der Stellenabbau und die möglichen Schließungen, insbesondere von Erziehungsberatungsstellen, seien „kurzsichtig, wenn nicht verantwortungslos“, besonders vor dem Hindergrund des Erfurter Attentats und der PISA-Debatte. Dem ist beizupflichten, schließlich können niedrigschwellige, frühzeitige Interventionen mögliche Familientragödien verhindern und somit langfristig Kosten sparen. Petra Bühring
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