ArchivDeutsches Ärzteblatt PP12/2003Angst- und Panikerkrankungen. Ätiologie – Diagnostik – Therapie

BÜCHER

Angst- und Panikerkrankungen. Ätiologie – Diagnostik – Therapie

PP 2, Ausgabe Dezember 2003, Seite 530

Bandelow, Borwin

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Angsterkrankungen: Starke somatische Orientierung

Borwin Bandelow (Hrsg.): Angst- und Panikerkrankungen. Ätiologie – Diagnostik – Therapie. UNI-MED Science, UNI-MED Verlag, Bremen, 2003, 152 Seiten, 11 Abbildungen, Hardcover, 44,80 €

Das Titelversprechen muss zunächst eingeschränkt werden: Das Buch beschreibt im Wesentlichen die „wichtigsten“ Angsterkrankungen in der Systematik des ICD-10 – SGB V, nämlich die Panikstörung, die generalisierte Angststörung und die soziale Phobie. Diagnostik, Ätiologie und Therapie werden systematisch dargestellt. Der Leser erfährt etwas über neurophysiologische und biochemische Befunde und die psychodynamische und verhaltenstherapeutische Sichtweise. Der Schwerpunkt liegt in der somatischen Orientierung. Für Psychoanalytiker und Verhaltenstherapeuten ist das Buch auch nur in diesem Bereich interessant.
Inhaltlich darf der Leser keine tiefer gehenden (Be-) Handlungsanweisungen erwarten – mit Ausnahme der Indikation von Psychopharmaka, welche kompetent und praxisorientiert dargestellt wird. Die Autoren beschränken sich ansonsten auf die Darstellung von Forschungsbefunden und die aktuelle Theoriediskussion. Und das ist ihnen gut gelungen. Das lesefreundliche, mehrfarbige Layout mit vielen Tabellen und Hervorhebungen erleichtert das Erfassen des komplexen Inhalts.
Wesentliche kritische Anmerkungen können nicht am Inhalt des Buches direkt ansetzen, sondern an der grundsätzlichen Frage, ob die ICD-Diagnostik für den Bereich der Psychotherapie überhaupt sinnvoll ist. Prägnant wird dies bei der Komorbiditätsforschung. Die Autoren schildern die Befundlage und zeigen, dass Angsterkrankungen mit vielen anderen psychischen Störungen mehr als zufällig assoziiert sind. Dies überrascht keinen erfahrenen Hausarzt, Psychiater und Psychotherapeuten – sie wissen, dass Angst, Depression, narzisstische Störung sowie andere neurotische Symptome als grundsätzlich verstehbares komplexes Wirkgefüge zu betrachten sind. Der Begriff der Komorbidität ist zwar in dieser Forschungslogik korrekt, insofern er nicht auf Kausalität referiert. Er gaukelt dem Leser aber vor, dass psychische Symptome als isolierbare, unabhängige Einheiten zu betrachten (und zu behandeln) seien. Konsequent ist diese Zugangsweise allerdings für eine syndromorientierte Psychopharmakatherapie. Hermann J. Joosten
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