ArchivDeutsches Ärzteblatt PP12/2003Lebenszufriedenheit: Das Politische zum Privaten umgedeutet

BRIEFE

Lebenszufriedenheit: Das Politische zum Privaten umgedeutet

PP 2, Ausgabe Dezember 2003, Seite 558

Bell, Karin

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LNSLNS Zum Thema werden zunächst die Untersuchungen von Reimer u. a. referiert, geschlechtsspezifische Unterschiede werden nicht erwähnt.
Das an den Übersichtsartikel anschließende Interview ist dann allerdings geeignet, Vorurteile und Klischees über Frauen im Beruf, hier dargestellt am Beispiel der Ärztinnen, in reichem Umfang zu bedienen. Da sind sie also wieder, die essgestörten, zu dicken oder zu dünnen, süchtigen, ja sogar verwahrlosenden Ärztinnen, die, die es nicht schaffen, noch genug für Kinder und Beziehung aufzubringen, wenn sie sich beruflich engagieren. Hatten wir das nicht alles schon einmal? Wir können auch verfolgen, wie Klischees zu Evidenzen werden, frei nach der Methode, ich hatte da schon viele (wie viele?) Ärztinnen in meiner Praxis, die . . . Und Hilfe für die gestressten, süchtigen, ausgebrannten Kolleginnen gibt es auch: mal einen Babysitter und einen Korb frisches Gemüse. Mit Personal und Vitaminen geht eben manches besser.
Das Private ist politisch, hieß es in den 68-Jahren. Hier wird das Politische zum Privaten umgedeutet. Schlechte Arbeitsbedingungen werden zum psychologischen Problem der Kolleginnen. „Viele“ Ärztinnen, die ich kenne, bewähren sich geradezu genial mit viel Kraft und Kreativität, manchmal erschöpft, aber oft auch voller Freude in den Lebensbereichen Familie, Beruf und Freizeit. Wahrscheinlich alles Verleugnerinnen und Verdrängerinnen.
Dr. med. Karin Bell, Brücker Mauspfad 601, 51109 Köln
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