ArchivDeutsches Ärzteblatt PP12/2003Therapieerfolg: Zweifach messen

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Therapieerfolg: Zweifach messen

PP 2, Ausgabe Dezember 2003, Seite 568

MS

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LNSLNS Für die Messung des Therapieerfolgs gibt es zwei Standardvorgehensweisen: Der Therapieerfolg wird entweder durch die Vergleiche von Daten festgestellt, die zu verschiedenen Zeitpunkten erhoben wurden (vor, während und nach der Therapie), oder durch rückblickende Bewertungen durch den Therapeuten oder den Patienten nach der Therapie. Anhand von 583 Angstpatienten, 95 Patienten mit affektiven Störungen und 97 diagnostisch heterogenen Patienten untersuchten die Autoren die Effektstärken der beiden Verfahren. Die Autoren stellten fest, dass die Verfahren die Patienten zu einer jeweils
anderen Sichtweise veranlassen: Beim ersten Verfahren muss der Patient die Veränderung der Symptomatik und die Störungsfolgen einschätzen. Beim zweiten Verfahren wird ihm ein subjektives Urteil über die Zufriedenheit und den Grad der Zielerreichung abverlangt. Beide Sichtweisen haben nicht viel miteinander zu tun. „Eine Therapie, die die Symptomatik in großem Umfang zu reduzieren vermag, muss nicht unbedingt von den Betroffenen als erfolgreich angesehen werden“, sagen die Autoren. Eine umfangreiche Symptomreduktion bedeutet also nicht automatisch eine zufriedenstellende Lebenssituation oder eine klinisch relevante Heilung oder Besserung, denn der erreichte Zustand kann immer noch unbefriedigend sein. Umgekehrt stellt sich ein befriedigenderer Lebenszustand eventuell schon nach einer geringen Symptomreduktion ein. Die Autoren plädieren dafür, beide Erfolgswerte zu erheben und die Ergebnisse zusammenhängend zu deuten. ms

Michalak J, Kosfelder J, Meyer F, Schulte D: Messung des Therapieerfolgs. Zeitschrift für Klinische Psychologie und Psychotherapie 2003; 32: 2: 94–103.

Dr. Johannes Michalak, Klinische Psychologie und Psychotherapie, Ruhr-Universität Bochum, 44780 Bochum, micha@kli.psy.ruhr-uni-bochum.de
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